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Wahl in Südkorea:Kampf ums Blaue Haus

Südkorea Wahl

Moon Jae In (links) tritt bei der Präsidentschaftswahl in Südkorea gegen Kontrahentin Park Geun Hye an.

(Foto: AP)

Bei der Präsidentschaftswahl in Südkorea treten die Erben zweier verfeindeter Lager gegeneinander an: Die Tochter des einstigen Diktators und ein ehemaliger Menschenrechtsanwalt. Viele Wähler trauen keinem von beiden - am Ende könnte deshalb das Wetter entscheiden.

Lee Jung Hee, die Kandidatin, die in den Fernsehdebatten als Einzige zu überzeugen vermochte, steht bei der Präsidentschaftswahl in Südkorea an diesem Mittwoch nicht zur Verfügung. Die 43-jährige Anwältin und Abgeordnete zog sich am Sonntag zurück. Als Vertreterin der Progressiven hätte sie keine Chance. Das wusste sie; ihr Ziel war es, wie sie sagte, eine Präsidentin Park Geun Hye zu verhindern.

"Wir brauchen eine Frau als Präsidentin", sagte Lee, "aber keine Königin im Blauen Haus", dem Sitz des Präsidenten. Die Tochter des früheren Diktators Park Chung Hee sei "arrogant und selbstgerecht". Lee führte ihre rhetorische Klinge so gekonnt, dass sie Moon Jae In, den freundlichen liberalen Kandidaten, dem sie zum Sieg verhelfen will, blass aussehen ließ.

Rechtschaffen, rational und etwas brav wirkte Moon auch an diesem sonnigen, eisig kalten Dienstagnachmittag vor dem Bahnhof von Seoul, bei seinem letzten Auftritt in der Hauptstadt. Die Faust, die er in seiner Rede ballte, wirkte antrainiert. Die etwa 1500 Anhänger, die gekommen waren, viele in den gelben Jacken der Vereinigten Demokratischen Partei, jubelten artig. Dann setzte Moon sich in den Zug nach Busan, wo er den Wahlkampf abschloss.

Ganz anders war die Stimmung auf der Schlusskundgebung der Saenuri-Partei von Park Geun Hye. Auf Seouls Gwanghawmun-Platz, zu Füßen des Denkmals von Sejong, dem Erfinder der koreanischen Schrift, tanzten die Anhänger von Frau Park, viele bereits im Rentenalter, zu Hip-Hop-Musik. Das Thermometer war inzwischen auf minus sechs Grad gefallen, ein eisiger Wind blies. Park drückte kleine Mädchen an ihre Brust, sie schien gerührt zu sein. Dann las die "Notizbuch-Prinzessin", wie ihre Kritiker sie nennen, weil sie nicht frei spricht, eine Schlussrede ab.

Name und Gesicht zu wechseln, reicht nicht

Obwohl Park selber kaum Gefühle zeigt, lassen sich ihre Anhänger von Emotionen tragen. Auf einigen Kundgebungen wurden sogar Porträts von Parks Vater mitgetragen, der nicht mehr nur als Diktator in Erinnerung ist, sondern von vielen als Vater des "Wunders am Han-Fluss" verehrt wird, wie man den Wirtschaftsaufstieg Südkoreas nennt. Nach der Ermordung ihrer Mutter durch nordkoreanische Agenten schlüpfte Park Geun Hye als junge Frau in die Rolle der First Lady. Schon deshalb vermag sie sich bis heute nicht klar vom Regime ihres Vaters zu distanzieren.

Leichter fiel es ihr, sich gegen den unbeliebten Präsidenten Lee Myung Bak abzugrenzen, obwohl der als Kandidat ihrer Partei Präsident geworden war. Die Abneigung gegen ihn ist so groß, dass sich die Partei im Februar sogar umbenannte. Parks Kontrahent Moon sagt dazu, es genüge nicht, Name und Gesicht zu wechseln, Südkorea brauche eine ganz neue Mannschaft.