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Wahl in Rheinland-Pfalz:Das Ende der Trümmerfrauen

Election campaign posters of Dreyer and Kloeckner are seen in Koblenz

Wahlplakate in Koblenz: Erstmals in der deutschen Geschichte kämpfen zwei Frauen um das Amt der Ministerpräsidentin

(Foto: REUTERS)

Warum wurde Malu Dreyer Ministerpräsidentin und Julia Klöckner ihre Herausforderin? Weil keine vorzeigbaren Männer zur Verfügung standen. Das Duell der Politikerinnen aber zeigt: Dieses Denken muss ein Ende haben.

Rheinland-Pfalz, so viel steht fest, schreibt am übernächsten Sonntag Geschichte. Erstmals in der Historie der Bundesrepublik kämpfen zwei Frauen gegeneinander um das Amt der Ministerpräsidentin. Traurig, dass man auf diese Damen-Wahl ganze 71 Jahre warten musste. Merkwürdig waren auch die seltsamen Erwartungen einiger Bürger, Journalisten und Politiker an diese Auseinandersetzung. Wird die politische Bühne nun womöglich zum Catwalk?, fragten sie sich.

Für die SPD-Politikerin Malu Dreyer und ihre Konkurrentin Julia Klöckner von der CDU ist solches Geraune eine Beleidigung. Beide sind gestandene und kluge Personen, beide haben politische Erfahrung und sind, wenn auch auf ihre jeweils eigene Weise, feministisch engagiert. Mehr noch: Jede könnte viel darüber erzählen, wie ungerecht etliche Maßstäbe für Politikerinnen noch immer sind.

Bei Männern ist es ein Duell, bei Politikerinnen ein Zickenkrieg

Einem Politiker verzeiht man verwuschelte Haare und Tränensäcke unter den Augen. Wird ein Mann im Parlament laut, ist er kraftvoll. Eine Frau läuft Gefahr, als hysterisch zu gelten. Kullern dem Regierungschef aus Rührung Tränen die Wangen herab, nennt man ihn einfühlsam. Die Regierungschefin hütet sich, womöglich hält man sie sonst für eine Heulsuse. Und kämpfen zwei Männer gegeneinander, wird das ein Duell genannt - bei Frauen heißt das dann gerne: Zickenkrieg.

Welch ein Unfug. Die beiden Damen aus Rheinland-Pfalz haben bislang alle Klischees widerlegt. Ihre Fernsehdiskussion am Dienstagabend - ebenfalls eine Premiere - erbrachte zwar keine inhaltlichen Neuigkeiten. Im Stil aber war sie vorbildhaft. Man fiel sich nicht ins Wort, argumentierte sachlich, widersprach mit fester Stimme, aber ohne herablassenden Unterton. Die Erinnerungen an etliche Männer in solchen Spitzenrunden sind deutlich weniger schön.