Wahl in Österreich:Norbert Hofer, der Tierfreund mit Pistole

Wird FPÖ-Politiker Norbert Hofer zum neuen österreichischen Bundespräsidenten gewählt, zieht ein eigentümlicher Mann in die Wiener Hofburg ein. Ein Porträt in Bildern.

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Norbert Hofer will am Sonntag zum Bundespräsidenten Österreichs gewählt werden. Laut Umfragen wird es ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit seinem Konkurrenten Alexander Van der Bellen geben.

Hofer ist seit Jahren Vize-Parteichef der rechtspopulistischen FPÖ. Er formulierte federführend das Programm der Blauen. Seit 2013 ist er Dritter Präsident des Nationalrats, wie das österreichische Parlament heißt.

Im ersten Wahlgang der Bundespräsidentwahl im April erhielt Hofer 35 Prozent der Stimmen. In der Stichwahl Ende Mai unterlag er aber knapp dem unabhängigen Kandidaten und früheren Grünen-Chef Alexander Van der Bellen. Wegen Unregelmäßigkeiten bei den Briefwahlstimmen wurde die Wahl jedoch vom österreichischen Verfassungsgerichtshof annulliert und eine Wahlwiederholung angesetzt. Die zunächst für Anfang Oktober geplante erneute Wahl musste allerdings verschoben werden. Schuld war erneut die Briefwahl: Die Streifen an den Kuverts kleben nicht richtig.

Final Austrian presidential elections campaign

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Hofer wuchs in Pinkafeld im österreichischen Burgenland auf. Er ist zum zweiten Mal verheiratet und hat vier Kinder. Hofer ist ausgebildeter Flugzeugtechniker. Anfang der Neunzigerjahre arbeitete er bei der Fluggesellschaft Lauda Air als Systemingenieur für Triebwerke und Hilfsgasturbinen. Von 1995 bis 1999 besuchte er laut der Wochenzeitung Falter zahlreiche Rhetorik- und Kommunikationsseminare und arbeitete selbst auch als Kommunikationstrainer.

Im Jahr 1994 stieg er in die Politik ein, kam schnell in den Vorstand der FPÖ Burgenland und wurde deren Wahlkampfleiter. Zu seinen Förderern zählt der wegen seiner Verbindungen in die Neonazi-Szene hoch umstrittene jetzige FPÖ-Parteichef Heinz-Christian Strache. 2006 wurde Hofer als Abgeordneter in den Nationalrat gewählt.

Leader of the Austrian Freedom party Strache and presidential candidate Hofer attend a May Day event in Linz

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Der 45-jährige Hofer war vor seiner Nominierung nur politischen Insidern bekannt. Eine Kandidatur schloss er zunächst aus, weil er sich selbst zu jung fand für den Posten.

Bei vielen Österreichern kommt er gut an: Sein freundliches und gemäßigtes Auftreten und seine gleichzeitig stramm rechten Positionen brachten ihm im ersten Wahlgang mehr Stimmen, als der FPÖ-Parteichef und Scharfmacher Heinz-Christian Strache (im Bild links neben Hofer) jemals zuvor bei einer Wahl auf Bundesebene erreichen konnte. Inhaltlich sind die beiden jedoch dicht beieinander.

Im Wahlkampf setzte die FPÖ auf nationalistische Töne. Auf Wahlplakaten Hofers stand: "Aufstehen für Österreich - Deine Heimat braucht dich jetzt". Die FPÖ wirbt zudem für ein "Europa der Vaterländer". Österreich dürfe kein Befehlsempfänger der EU-Kommission sein. Öffentlich hat sich Hofer aber ausdrücklich gegen einen Austritt aus der EU ausgesprochen.

Austrian presidential candidate Van der Bellen, who is supported by the Greens, and Hofer of the FPOe pose for photographers before a TV discussion in Vienna

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In der Flüchtlingspolitik befürwortet Hofer einen harten Kurs. Er stellt die Interessen Österreichs an erste Stelle und will das Land nach eigenen Angaben gegen eine "neue Völkerwanderung" verteidigen. "Es kommen ja nicht nur nette Menschen, es kommen auch Menschen, die bereit sind, dir den Kopf abzuschneiden", so Hofer.

Im TV-Duell mit seinem Konkurrenten um das Präsidentenamt Alexander Van der Bellen warf Hofer Kanzlerin Angela Merkel (CDU) vor, Europa mit ihrer Flüchtlingspolitik schweren Schaden zugefügt zu haben. Der Satz "Wir schaffen das" habe Tausende angelockt. Die Frage sei doch, wen sie mit "Wir" meine. "Den österreichischen Steuerzahler?", fragte Hofer in dem Duell. Innerhalb der FPÖ können diese Äußerungen noch als gemäßigt gelten. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hatte Merkel vor einem Monat als "gefährlichste Politikerin Europas" bezeichnet.

Austrian presidential candidate Hofer of the Freedom Party (FPOe) addresses a news conference ahead of a re-run of the run-off presidential election in Vienna

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Im Wahlkampf deutete Hofer an, dass er das Amt des Bundespräsidenten für mehr als nur Winken, Händeschütteln und Sonntagsansprachen nutzen wolle: "Sie werden sich wundern, was alles gehen wird."

Das Amt hat in Österreich eine größere Machtfülle als in Deutschland. So kann der Präsident den Bundeskanzler ernennen und entlassen, ohne das Parlament einzubeziehen. Traditionell hält er sich aber im Hintergrund.

Mitte November versuchte Hofer in einem ORF-Interview zu beruhigen: "Ich werde nicht bei jeder Gelegenheit die Regierung entlassen." Allenfalls werde er die Regierung auffordern, den Weg für Neuwahlen freizumachen. Im Zusammenhang mit angeblichem Fehlverhalten der Regierung in der Flüchtlingskrise und wegen ausbleibender Reformen hatte Hofer im Frühjahr in Aussicht gestellt, die Regierung zu entlassen, sollte er Bundespräsident werden.

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Der Präsidentschaftskandidat geht am Stock: Beim Paragleiten stürzte er 2003 aus mehreren Metern Höhe ab und zog sich eine schwere Wirbelsäulenverletzung zu. Dass er es geschafft hat, den Rollstuhl wieder zu verlassen, sei eine Leistung, auf die er heute besonders stolz sei, schreibt Hofer auf seiner Website. Der Unfall habe auch den Ausschlag gegeben, sich in der Behindertenpolitik zu engagieren.

Presidential candidate Norbert Hofer and his daughter Ann-Sophie attend a May Day event in Linz

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Er sei ein "leidenschaftlicher Familienmensch", sagt Hofer - hier mit seiner Tochter Anna-Sophie - über sich selbst. In den sozialen Medien präsentiert er sich als nahbarer Politiker: Er postet Bilder aus der Jugend, posiert mit seinen Kindern und veröffentlicht auch hin und wieder Fotos vom Frühstückstisch oder einer Geburtstagsfeier.

Hofer will ein Mann des Volkes sein. Seinem Konkurrenten, dem emeritierten Wirtschaftsprofessor Van der Bellen, wirft er vor, ein Kandidat der Schickeria zu sein: "Sie haben die Hautevolee - und ich hab die Menschen", sagte er in einem Fernsehduell.

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Quelle: Quelle: www.norberthofer.at

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Während des Wahlkampfes präsentierte sich Hofer immer wieder als Mann mit "Herz für Tiere" und hielt zu diesem Zweck auch seinen neu angeschafften Welpen "Jessy", einen Australian Shepherd, in die Kamera.

In einem Interview mit dem Sender Puls 4 wurde Hofer gefragt, was aus seinem Kater Robert geworden sei, mit dem er zu Beginn des Wahlkampfes auf Bildern posierte. "Die zwei verstehen sich recht gut, aber im Alltag ist der Kater Robert der Boss." Wenn Journalisten kämen, flüchte der Kater aber sofort in den Garten. "Das Fremde mag er nicht so gern."

Ein weiteres kurioses Detail aus Hofers Privatleben: Der Kandidat für das höchste Staatsamt besitzt eine Pistole, eine Glock 26. Der Sportschütze sagt von sich, er schieße einfach gern. Außerdem würde die Waffe sein "subjektives Sicherheitsgefühl" steigern, ließ ein Sprecher die Zeitung Standard wissen. Als Bundespräsident würde er die Waffe allerdings nicht mit in die Wiener Hofburg nehmen, versicherte Hofer.

© SZ.de/tfn/dpa/sjan/vit
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