Zum Tiefpunkt der politischen Auseinandersetzung avancierte ein TV-Duell ohne Moderator am Pfingstsonntag. Eine Woche vor der Wahl lieferten sich Hofer und Van der Bellen eine verbale Schlammschlacht. Seit dem verheerenden Echo auf die Darbietung versuchten im Wahlkampfendspurt beide, laute Töne zu vermeiden.
Gemäßigt und siegesgewiss gab sich Hofer auf der FPÖ-Abschlussveranstaltung, die am Freitag im Wiener Stadtteil Favoriten stattfand. "Ich tu mir heut ein bissel schwer, die richtigen Worte zu finden", sagte er. Er sei dankbar für die Unterstützung in diesem schweren Wahlkampf. Hofer kam auch auf seine Israel-Reise zu sprechen. Im letzten TV-Duell war ihm nachgewiesen worden, dass seine Visite in Jerusalem nicht so verlief, wie er sie bis dahin geschildert hatte (hier mehr dazu).
Er sei unfair behandelt worden, behauptete Hofer, schob dann aber statt der FPÖ-üblichen Medienschelte diesen Satz nach: "Ich bin froh, dass wir kritische Medien haben, die uns Politikern auf die Finger schauen." Neben Hofers Zurückhaltung bleibt von der Veranstaltung am Viktor-Adler-Markt vor allem die von mehreren Quellen dokumentierten Hitlergrüße im Publikum (hier und hier) im Gedächtnis.
Diese Wahl ist ein Signal, das von Österreich in die große Welt hinausgeht
Kurz zuvor hatte Van der Bellen seinen Wahlkampfabschluss im Park vor der Wiener Votivkirche. Auf einem kleinen Podium auf einer Wiese stand Van der Bellen. Der Wirtschaftsprofessor warb um die Österreicher, die konservativ ticken und für die Grüne und Blaue bislang gleichermaßen inakzeptabel waren. Man mag Vorbehalte gegen ihn haben, räumte Van der Bellen ein, aber "vielleicht haben Sie noch größere Vorbehalte gegen meinen Konkurrenten".
Der Grüne sagt im Prinzip das, was auch Hofer sagt - wenn auch mit anderen Worten: Es geht um Grundsätzliches bei dieser Wahl, es geht um den Charakter eines Landes und es geht um Europa. Und es ist eine Entscheidung, die ein Signal setzt, das vom kleinen Österreich weit in die große Welt hinausgeht. So wirkmächtig dürfte sich das Land seit dem Untergang der Doppelmonarchie nicht mehr gefühlt haben.
Damals, nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg, musste Wien nicht nur all die bis dahin unter der Krone Habsburgs vereinten Völker in die Unabhängigkeit entlassen. Es musste auch Südtirol an Italien abtreten. Für die Menschen in dem Gebiet bedeutete das jahrzehntelang Repression. Inzwischen ist der Konflikt befriedet, dank der offenen Grenze am Brenner und eines vorbildlichen Autonomiestatutes, das Südtirols Wohlstand begründete - denn der Großteil der Steuern bleibt in Bozen.
Die FPÖ stellt den Status Südtirols nun in Frage. 2015 hielt Hofer eine bemerkenswerte Rede in Meran, auch im Wahlkampf kam das Thema auf - sehr zur Sorge der Italiener und Südtiroler. "Es graut mir vor Hofer", sagt eine italienische Journalistin, die in diesen Tagen aus Wien berichtet. Und ihr Kollege meint mit Blick auf seine Südtiroler Heimat: "Hofer reißt alte Wunden auf."

