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Wahl in Myanmar:Suu Kyi prophezeit "Anfang einer neuen Ära"

Ein "Sieg des Volkes", ein "Triumph" für alle Bürger: Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi feiert den Erfolg ihrer Partei bei der Nachwahl in Myanmar. Nach offiziellen Angaben hat die NDL fast alle Parlamentssitze gewonnen, die es zu besetzen galt. Ein Sprecher des Präsidenten stellt der 66-Jährigen bereits ein Amt in dessen Kabinett in Aussicht.

Die Partei der myanmarischen Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi hat bei der Nachwahl zum Parlament am Sonntag nach offiziellen Angaben einen deutlichen Sieg erzielt. 40 der 45 zur Wahl stehenden Sitze seien an die Nationale Liga für Demokratie (NLD) gegangen, teilte die Wahlkommission des international weitgehend isolierten Landes mit.

Die NLD hatte zuvor bereits erklärt, dass Suu Kyi ihren Wahlkreis gewonnen habe und ins myanmarische Parlament einziehen werde. Sie habe in ihrem Wahlkreis südwestlich von Rangun etwa 90 Prozent der Stimmen erhalten, sagte der Sprecher ihrer Partei. Vor der Parteizentrale in Rangun brach nach der Bekanntgabe großer Jubel aus.

Nach dem Sieg Suu Kyis in ihrem eigenen Wahlkreis bekräftigte ein Berater von Präsident Thein Sein die Möglichkeit, dass die Friedensnobelpreisträgerin einen Posten im Kabinett erhalten könnte. "Alles ist möglich. Sie könnte angesichts ihrer Fähigkeiten jede verantwortungsvolle Position übernehmen."

Die Wahlerfolge seien ein "Triumph" für alle Bürger, die sich für eine Teilnahme am politischen Leben entschieden hätten, sagte Suu Kyi am Montag. Die 66-Jährige rief die NLD-Anhänger zur Zurückhaltung auf. "Dies sollte ein Sieg des Volkes sein", so Suu Kyi. "Wir hoffen, dass das der Anfang einer neuen Ära sein wird."

US-Außenministerin Hillary Clinton gratulierte den Bürgern Myanmars für ihre Teilnahme an der Wahl. Gleichzeitig forderte sie die Staatsspitze auf, ihren Reformkurs fortzuführen.

NLD bleibt kleine Oppositionspartei

Der Sieg der 66-jährigen Suu Kyi ist ein großer Schritt für das südostasiatische Land, das bis vor kurzem international noch völlig isoliert war. Jahrzehntelang herrschte eine autoritär regierende Militärjunta.

Auch für Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi selbst ist der Einzug ins Parlament nach 15 Jahren Hausarrest eine persönliche Genugtuung, die bis vor kurzem niemand für möglich gehalten hätte. Es war das erste Mal seit 22 Jahren, dass die NLD sich den Wählern stellte. Die Partei hatte bereits 1990 klar gewonnen, doch ignorierte das Militär damals das Ergebnis und erkannte die Wahlen nicht an.

Die Leiterin der Wahlbeobachtermission der EU, Malgorzata Wasilewska, zeigte sich mit dem Ablauf der Abstimmung grundsätzlich zufrieden, wollte aber die Wahl zunächst noch nicht für glaubhaft erklären. "In den Wahllokalen, die ich besucht habe, sah ich viel fachlich gutes Verhalten und viel guten Willen, was sehr wichtig ist", sagte sie.

Trotz des Wahlsieges bleibt die NLD eine verschwindend kleine Oppositionspartei. Bei den Nachwahlen ging es lediglich um sieben Prozent aller Mandate. Sie wurden nötig, weil 48 Parlamentarier in Regierungsämter berufen wurden und ihre Mandate niederlegen mussten. Den Großteil der 1160 Sitze in den beiden nationalen Parlamentskammern und den Regionalparlamenten kontrollieren weiterhin das Militär und die ihm nahestehende Partei USDP.