Paul Nuttall, (Ukip - Anti-EU-Partei - 40 Jahre)

Status: Wäre gerne der Mann für den kleinen Mann.

Woher er kommt: Zwanzig Jahre lang hat die populistische Ukipunter unter ihrem Anführer Nigel Farage für ein einziges Ziel gekämpft: den Brexit. Am 23. Juni 2016 hatte sie ihr Ziel erreicht und Ukip hätte sich auflösen können. Fast war es so weit. Nigel Farage verkündete zwei Wochen nach dem Referendum lapidar seinen Rücktritt: "Ich will mein Leben zurück."

Kurz nach Farages Abtritt begann der schnelle Aufstieg seines langjährigen Parteikollegen Paul Nuttall, der zwar eigentlich auch zurücktreten wollte ("Ich will auch mein Leben zurück"). Er überlegte es sich dann aber anders, als Farages Nachfolgerin schon nach 18 Tagen aufgab. Jetzt kämpft sich Nuttall an der Spitze einer Partei ab, die gerne die Partei des kleinen Mannes wäre, der früher links wählte und heute den Ausländern und der EU die Schuld an seiner Misere gibt. Doch seit den Rücktritten hat Ukip ein Glaubwürdigkeitsproblem. Bei den letzten Lokalwahlen verlor die Partei jeden (!) ihrer 146 Sitze. Ein Großteil der Abgeordneten hat die Partei bereits verlassen und ist zu den Konservativen gewechselt. Denn mit ihrem "harten Brexit" und der scharfen Linie bei der Einwanderung hat May der Ukip bei zwei Kernthemen den Rang abgelaufen.

Was er will: Brexit? Wahlen gewinnen? Brexit! Wahlen gewinnen! Es ist komplex. Nuttall will einen "richtigen" Brexit und ist sich nicht sicher, dass allen Tories in der Hinsicht zu trauen ist. Andererseits hat seine Partei ohnehin kaum Chancen und leidet am Mitgliederschwund. Deshalb hat Ukip nur in der Hälfte der Wahlkreise eigene Kandidaten aufgestellt - in den anderen unterstützen sie die echten "Brexiteers" unter den Tories.

Fun Fact: Im Wahlkampf redete Nuttall weniger über Inhalte, und viel über einen gefälschten Lebenslauf auf LinkedIn. Darin stand, dass er seinen PhD 2004 von der Liverpool Hope University verliehen bekam. Nur durfte die damals noch gar keine Doktorenwürden verleihen. Auch eine Vergangenheit als professioneller Fußballspieler stellte sich als falsch heraus. Angeblich hatte ein PR-Mitarbeiter beides ohne sein Wissen auf LinkedIn veröffentlicht.

Lieblingsausdruck: Der Brexit sei "a job half done" - ein unfertiges Projekt. Fragt sich nur, ob ausgerechnet eine Partei wie Ukip, ohne Regierungserfahrung, ohne starkes Führungsteam und ohne klares Programm, den Job zu Ende bringen kann.

6. Juni 2017, 16:142017-06-06 16:14:42 © SZ.de/mati