Nicola Sturgeon (Scottish National Party - schottische Sozialdemokraten - 46 Jahre - kandidiert nicht für das Premierministeramt)

Status: Die Jeanne d'Arc Schottlands. Heute ist Sturgeon als Erste Ministerin Schottlands wichtigste Gegenspielerin von Theresa May. Obwohl sie gar nicht für das britische Parlament kandidiert, ist sie das Gesicht der SNP und daher dauerpräsent in den Medien und bei Wahlkampf-Events.

Woher sie kommt: Sturgeon wuchs als Tochter eines Elektrikers und einer Zahnarzthelferin im Südwesten Schottlands auf. Angeblich träumte sie schon im zarten Alter von 15 Jahren den Traum der schottischen Unabhängigkeit. Nach dem Studium arbeitete sie zunächst für verschiedene Anwaltskanzleien und engagierte sich bei der SNP. Als ihr Parteifreund und Förderer Alex Salmond nach dem verlorenen schottischen Unabhängigkeitsreferendum 2014 als Parteichef abtrat, sah sie ihre Chance gekommen und wurde First Minister Schottlands.

Wie hartnäckig sie sein kann, zeigte Sturgeon schon früh. Sie brauchte zahlreiche Anläufe, bevor sie 1999 endlich für den Wahlkreis Glasgow ins Parlament von Edinburgh gewählt wurde. Als es ihr gelang, war sie dafür aber auch erst zarte 29 Jahre alt.

Was sie will: Unabhängigkeit für Schottland. Klingt einfach, ist in der Umsetzung aber hochkomplex. Denn 2014 haben die Schotten schon einmal dagegen gestimmt. Nach der Brexit-Entscheidung hat Sturgeon ein zweites Referendum angekündigt, in dem die Schotten noch einmal über ihren Verbleib im Königreich unter den geänderten Vorzeichen abstimmen sollen. Das Problem: Sie kann sich nie wirklich sicher sein, wann die Zeit reif ist, um das Ergebnis zu kriegen, das sie will. Denn verliert sie die Abstimmung noch einmal, wäre das wohl das Ende ihres Traums - und womöglich das ihrer Karriere.

Haltung zum Brexit: Scots love unions ... Außer, wenn sie von London aus regiert werden. 62 Prozent der Schotten haben dafür gestimmt, in der EU zu bleiben. Sturgeon will ihnen genau das durch ein zweites Referendum möglich machen. Ob das möglich ist, und unter welchen Umständen, steht derzeit aber noch in den Sternen.

Fun fact: Wurde früher häufig als "Nippy Sweetie" beschrieben, ein schottischer Ausdruck, den das Urban Dictionary folgendermaßen definiert: "Ein Mensch, meist weiblich, der andere schon dadurch nervt, dass er den Mund aufmacht." Und: Ihr Kabinett ist das erste in der Geschichte Großbritanniens, in dem genauso viele Frauen wie Männer sitzen.

Bild: AFP 6. Juni 2017, 16:142017-06-06 16:14:42 © SZ.de/mati