Wahl in Georgia:Schützenhilfe vom Präsidenten

Die Republikanerin Handel bekam ihrerseits im Wahlkampf Schützenhilfe nicht nur von Gesundheitsminister Price und dem ehemaligen Gouverneur von Georgia, Sonny Perdue, sondern vom Präsidenten persönlich. Trump empfahl die 55-Jährige enthusiastisch, trat im April mit ihr auf, um Wahlkampfspenden zu sammeln. Dazu setzte er zahlreiche Tweets ab. Die Botschaft: Ossoff sei ein extremer Linker, unwählbar für alle vernünftigen Amerikaner.

Karen Handel

Die republikanische Kandidatin Karen Handel mit potentiellen Wählern.

(Foto: AP)

Die Kandidatin selbst, als ehemalige "Secretary of State" in Georgia durchaus bekannt, stellt sich entschieden auf die Seite Trumps und verteidigt dessen Politik vehement. Eine Strategie, die ihr womöglich schaden könnte - moderate Republikaner und parteilose Wähler könnte diese Treue abschrecken.

Ossoff dagegen nimmt den Namen Trump bei seinen Wahlkampfauftritten gar nicht erst in den Mund. Der 30-jährige Filmemacher, der erste politische Erfahrung als Mitarbeiter des demokratischen Kongressabgeordneten Hank Johnson sammelte, ist sichtlich bemüht, sich auf Sachpolitik zu konzentrieren. Mit den Grabenkämpfen in Washington will er nicht in Verbindung gebracht werden.

Es gehe weniger um "Palast-Intrigen und das Drama in D.C.", sondern mehr darum, das Leben der Wähler zu verbessern, so seine Botschaft. Dass er im sechsten Distrikt, für den er antritt, gar nicht wohnt, sieht er nicht als Hindernis. Mit seiner Verlobten, die Medizin studiert, war er in einen Nachbarbezirk umgezogen, um in der Nähe ihrer Uni zu leben.

Dass Ossoff mit seiner respektvollen Rhetorik und seiner gemäßigt liberalen Sichtweise (er ist zwar gegen "Trumpcare", aber auch gegen Steuererhöhungen) die Wähler begeistern kann, hat er schon bewiesen. Bei der Vorwahl im April schlitterte er mit 48,1 Prozent nur knapp an der entscheidenden Mehrheit für die Demokraten vorbei. Für seinen Wahlkampf konnte er mehr als 12 000 freiwillige Helfer mobilisieren.

Die Stimmung ist aufgeheizt

Wie aufgeheizt die Stimmung in Georgia ist, zeigen indes die Drohbriefe, die beide Kandidaten erhalten haben. In Handels Büro ging sogar ein Brief ein, der weißes Pulver enthielt. Das stellte sich zwar als harmloses Backpulver heraus, doch nicht erst seit dem Attentat auf ein Baseballtraining republikanischer Abgeordneter ist die Angst vor irrationalen Aktionen eines Wahnsinnigen groß.

Einige Konservative versuchen gar, den Anschlag von Virginia in der vergangenen Woche für ihre Zwecke zu nutzen. Die konservative Aktivistengruppe "Principled PAC" brachte Ossoff mit der Schießerei in Verbindung und schaltete Werbeclips auf Fox News. Zitat: "Die gleichen verwirrten Linken, die die Schießerei letzte Woche bejubelten, unterstützen Jon Ossoff."

Brad Carver, ein Republikaner aus einem anderen Wahlbezirk in Georgia, ließ sich sogar zu der Prognose hinreißen, dass seine Partei wegen der Bluttat die Wahl gewinnen werde. Die Moderaten und Unabhängigen hätten den "linken Extremismus" satt. Später musste er sich für diese Aussage entschuldigen.

Andere Konservative schätzen die Situation vorsichtiger ein. Was Ex-Gouverneur Perdue sagt, dürften sowohl Demokraten als auch Republikaner unterschreiben: "Wir alle wissen, dass das ein Omen für die nationale Politik ist. Und die Welt, die ganze Nation schaut zu."

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