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Wahl in Frankreich: Hollande gegen Sarkozy:Wenn der Wackelpudding den Duracell-Hasen herausfordert

Der eine hat keine Chance, will sie aber unbedingt nutzen, der andere kämpft gegen das Image des blassen Langweilers. Am Sonntag entscheidet sich, ob Nicolas Sarkozy französischer Präsident bleibt oder von François Hollande abgelöst wird. Ein Vergleich der Stärken und Schwächen der Kandidaten. Was sind ihre Lieblingsthemen? Was ihre größten Herausforderungen?

Nicolas Sarkozy, 57, Union pour un mouvement populaire (UMP), Anwalt. Als einer von wenigen Spitzenpolitikern Frankreichs kein Absolvent einer Eliteuniversität.

Nicolas Sarkozy

Nicolas Sarkozy kämpft. Aber hat er noch eine Chance?

(Foto: AP)

Der Amtsinhaber hat kaum Chancen auf eine Wiederwahl, will diese aber unbedingt nutzen. Im Vergleich zu früheren Präsidenten tritt er nicht mit einem Amtsbonus an, sondern muss sich im Wahlkampf mit der Hypothek einer durchwachsenen Präsidentschaft herumschlagen: gestiegene Arbeitslosigkeit, wirtschaftlicher Niedergang, verschleppte Reformen.

Sarkozys Versprechen

Nicolas Sarkozy suggeriert mit seinem Slogan "La France forte" ("Starkes Frankreich") eine Rückkehr zu den Zeiten, als das Land noch nicht von der Globalisierung gebeutelt wurde. Er will nach deutschem Vorbild "Bündnisse für Arbeit" einführen sowie die Mehrwertsteuer erhöhen, um die in Frankreich enorm hohen Lohnnebenkosten senken zu können. Wie im europäischen Fiskalpakt vereinbart, plant er eine Schuldenbremse. Sehr zum Erstaunen der Franzosen schlug Sarkozy auch vor, dem Volk mit landesweiten Abstimmungen "seine Stimme wieder zu geben". Auch weil er hofft, sich damit über den Widerstand des seit 2011 links dominierten Senats hinwegsetzen zu können.

Sarkozys Lieblingsthemen

Sarkozy spricht gern über Außenpolitik, weil er dort eine gute Bilanz und - im Gegensatz zu Hollande - viel Erfahrung vorzuweisen hat. Er führte Europa während der französischen EU-Präsidentschaft 2008 sicher durch Finanzkrise, Georgienkrieg und Irlands "Nein" zum Vertrag von Lissabon, später präsentierte er sich neben Kanzlerin Merkel als zupackender Krisenmanager bei der Eurorettung. Innenpolitisch bringt Sarkozy bewusst rechtspopulistische Themen wie Überfremdung und innere Sicherheit ins Spiel. Er hofft, so die Wähler des rechtsextremen Front National für sich zu gewinnen.

Sarkozys größte Herausforderung

Die Franzosen haben Sarkozy in den vergangenen fünf Jahren als jemanden kennengelernt, der tausend Dinge auf einmal angreift, schnell die Meinung ändert und gerne Details aus seinem Privatleben in der Öffentlichkeit verbreitet. Nachdem das nicht gut ankam, muss er den Franzosen nun glaubhaft machen, dass er sich grundlegend geändert hat. Wenn er wiedergewählt werde, versprach Sarkozy, werde er "ein anderer Präsident" sein.

Sarkozys Stärken

Nicolas Sarkozy hat einen starken Willen und außergewöhnlich viel Energie, besonders in Notlagen läuft er zur wahren Größe auf. "Er arbeitet 20 Stunden am Tag", sagte seine Frau Carla Bruni kürzlich und gab zu, dass sie deshalb manchmal Angst um seine Gesundheit habe. Von der Presse wird der Präsident auch "Speedy Sarkozy" oder "Duracall-Hase" genannt. Außerdem kann Sarkozy sehr gut frei sprechen. Wenn eine Kamera auf ihn gerichtet ist, fühlt er sich in seinem Element.

Sarkozys Schwächen

Nicolas Sarkozy hat ein Faible für Luxus. Seinen Wahlsieg feierte er 2007 im Pariser Nobelrestaurant Fouquet's, kurz darauf erholte er sich auf der Yacht des Milliardärs Vincent Bolloré, was ihm schnell die Spitznamen "Präsident der Reichen" und "Präsident bling-bling" einbrachte. Sarkozy ist mit vielen wichtigen Unternehmern eng befreundet, seine Steuerreform kam vor allem Wohlhabenden zugute.

Sarkozy ist außerdem bekannt für seinen sprunghaften Regierungsstil, nicht selten hat er sich in den letzten Jahren selbst widersprochen. "Nicolas Sarkozy lügt nicht, er bringt nur sukzessive Wahrheiten zum Ausdruck", nennt das ein Parteifreund.

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