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Wahl in Berlin:"Bimbos", "Parasiten", "widerliches Gewürm"

Nerstheimer, Jahrgang 1964, zieht bei Facebook auch über Ausländer und Politiker anderer Parteien her (Publikationsjahr der Postings in Klammern):

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen nennt er "Hochverräter" (2013). Auch auf ein Posting des Grünen-Abgeordneten Volker Beck, in dem dieser von Hasskommentaren gegen ihn schreibt, reagiert Nerstheimer mit einem homophoben Kommentar. Beck war 2010 auf einer Schwulen-Kundgebung in Moskau von Sicherheitsbeamten angegangen worden. Darauf spielt der AfD-Mann an, wenn er schreibt, "die Dresche die er (Beck) in Moskau bekommen hat, hat ihm bestimmt gefallen" (2015).

Nerstheimer bedient sich immer wieder der Sprache des Dritten Reiches. So sind Flüchtlinge aus Syrien "einfach widerliches Gewürm" (2015) und Schwarze "Bimbos" (2013). Asylbewerber hält er für "Parasiten, die sich von den Lebenssäften des deutschen Volkes ernähren" (2016).

Nerstheimers Postings legen nahe, dass er in der DDR bei der Nationalen Volksarmee war und später bei der Bundeswehr. Uniformen der ostdeutschen Truppe scheinen ihm allerdings besser gefallen zu haben als der "schwule Kram" der westdeutschen Streitkräfte (2013). Der Waffenfreund merkt unter einem Bild der Revolution von 1848 an: "Da die freien Bürger damals noch bewaffnet waren, konnten sie sich auch gegen den Staat auflehnen. Heute sind die Sklaven wehrlos!" (2015).

Hinter dem "lieben Parteifreund" Höcke

Dass er Gewalt für die Durchsetzung seiner politischen Ansichten nicht ausschließt, wird in einer Äußerung von 2012 deutlich. "Jeder der unsere Gastfreundschaft und Großzügigkeit missbraucht, ist hier nicht willkommen und soll gehen, freiwillig so lange es noch geht", schreibt Nerstheimer da. Es werde der Punkt kommen, vielleicht ein Anschlag oder brennende Vorstädte, an dem das Fass überlaufe. Dann werde es "zu ethnischen Säuberungen kommen in der westlichen Welt".

Unter einem Foto, das wohl während der Nazi-Zeit entstand und paar Dutzend Jungen in Lederhosen zeigt, schreibt Nerstheimer im November 2013 ungelenk in englischer Sprache. "The german people wake up more" und schwadroniert davon, dass die "deutsche Rache beginnt" ("german revenge").

Von den AfD-Oberen scheint Kay Nerstheimer besonders den Thüringer Landeschef Björn Höcke zu verehren. "Wie ein Mann", stehe er zusammen mit anderen AfD-Gesinnungsgenossen "hinter Dir lieber Parteifreund", schreibt Nerstheimer am 7. Januar 2016. Und dann stimmt er die erste Strophe eines Liedes der Panzertruppe an, das zu Wehrmachtszeiten entstanden ist.

Was sagt Nerstheimer heute zu seinen Aussagen? Das blieb zunächst offen. Die SZ schickte der Geschäftsstelle der AfD Berlin am Dienstagmittag eine für Nerstheimer bestimmte Anfrage. Ein Mitarbeiter antwortete kurz darauf, er habe sie dem Parteifreund aus Lichtenberg weitergeleitet. Dieser sei derzeit aber wegen einer Vielzahl an Medienanfragen überlastet, er könne nicht sagen, ob Nerstheimer die Anfrage beantworte. Eine Antwort Nerstheimers auf die Anfrage blieb bis zum späten Dienstagnachmittag aus.

© SZ.de/bepe/ghe/sekr/gba

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