Wahl in Afghanistan Karsai angeblich vorne

Bei der Stimmenauszählung in Afghanistan soll Amtsinhaber Karsai vorne liegen. Trotz Anschlägen lag die Wahlbeteiligung bei 40 bis 50 Prozent. Die UN gratulierten den Afghanen zu ihrem Mut.

Nach der Präsidentenwahl in Afghanistan soll ersten Hochrechnungen zufolge Amtsinhaber Hamid Karsai die Mehrheit erzielt haben. Ein zweiter Wahlgang sei somit voraussichtlich nicht notwendig, sagte Karsais Wahlkampfmanager. "Unsere Zahlen zeigen, dass wir genügend Stimmen haben, um zu gewinnen, ein zweiter Wahlgang ist damit nicht nötig", sagte er. Das gehe aus den Daten hervor, die das Wahlkampfteam von den eigenen Beobachtern bei der Stimmenauszählung in den Wahllokalen sowie aus den Wahlkampfbüros erhalten habe. Das Wahlkampfteam von Karsais wichtigstem Herausforderer Abdullah Abdullah äußerte sich zunächst nicht.

Afghanische Frauen bei der Stimmabgabe bei "diesen historischen Wahlen", wie die UN mitteilt.

(Foto: Foto: AP)

Unmittelbar nach Schließung der Wahllokale begann die Auszählung der Stimmen. Erste inoffizielle Ergebnisse werden in den kommenden Tagen erwartet. Am 17. September sollen die Endergebnisse der Präsidentschafts- und der parallel angesetzten Provinzratswahlen vorliegen.

Sollte keiner der Bewerber um das Präsidentenamt eine absolute Mehrheit erreichen, kommt es nach derzeitiger Planung Anfang Oktober zu einem weiteren Wahlgang. Dann würden nur noch der Spitzenreiter und der Zweitplatzierte antreten.

Die Unabhängige Wahlkommission in der Hauptstadt Kabul sprach von einer hohen Beteiligung. Wahrscheinlich seien etwa 40 bis 50 Prozent der Afghanen zur Wahl gegangen. In fast allen Wahlzentren im Land sei der Urnengang ohne Probleme verlaufen.

300.000 Sicherheitskräfte waren bei der Wahl im Einsatz. Dennoch kamen binnen weniger Stunden mehr als 50 Menschen bei verschiedenen Anschlägen und Gefechten ums Leben, rund die Hälfte davon waren Aufständische. Das Verteidigungsministerium zählte insgesamt 135 Zwischenfälle im ganzen Land, darunter vier Selbstmordanschläge.

Der Weltsicherheitsrat hat den Afghanen zu den Wahlen in ihrem Land gratuliert. "Die Mitglieder des Sicherheitsrats beglückwünschen die Menschen in Afghanistan zu ihrer Beteiligung an diesen historischen Wahlen", hieß es in einer von der Ratspräsidentschaft in New York verbreiteten Erklärung.

Zugleich wurden die Anschläge Aufständischer verurteilt. Zuvor hatte bereits UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die Afghanen für ihren Mut gelobt, trotz Terrorattacken und massiver Drohungen der Taliban den Weg in die Wahllokale gewagt zu haben. Nach Ansicht von Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen verliefen die Wahlen "unter dem Blickwinkel der Sicherheit besser als erwartet". US-Präsident Barack Obama nannte die Wahl "anscheinend erfolgreich".

Merkel: "Wichtiger Abschnitt in der demokratischen Entwicklung"

Amtsinhaber Hamid Karsai war als Favorit ins Rennen gegangen. Sein wichtigster Herausforderer war der frühere Außenminister Abdullah Abdullah. Insgesamt stellten sich mehr als 30 Kandidaten den Wählern, darunter zwei Frauen. Es war der zweite Urnengang seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einem "wichtigen Abschnitt in der Geschichte der demokratischen Entwicklung" Afghanistans. Die Wahl sei auch ein Zeichen dafür, dass sich in Afghanistan vieles geändert habe, sagte sie bei einem Besuch in Bielefeld.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier lobte die Wahl als "Erfolg demokratischer Tugenden" nach 30 Jahren Terror und Krieg. Nun gehe es darum, wachsam zu bleiben.

US-Präsident Barack Obama unterstrich, weiterhin gegen die radikalislamischen Extremisten am Hindukusch vorgehen zu wollen. "Wir müssen sicherstellen, dass wir uns wirklich darauf konzentrieren, den Job in Afghanistan zum Abschluss zu bringen", sagte Obama. Das werde allerdings seine Zeit brauche, räumte der Präsident ein.

Präsidentenwahl

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