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Wahl im Saarland:Diese Kandidaten treten im Saarland an

Eine Rekordhalterin im Kugelstoßen, eine Merkel-Vertraute und Gerhard Schröders alter Rivale: Das sind die Spitzenkandidaten bei der Saarland-Wahl.

Von Barbara Galaktionow

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Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU)

Kramp-Karrenbauer (CDU) enthüllt Wahlplakat

Quelle: dpa

Sie wird bisweilen als "Merkel von der Saar" bezeichnet - wegen ihrer ruhigen und zugleich zielstrebigen Art. Von manchen, angeblich auch von Merkel selbst, wird sie als künftige Kanzlerkandidatin gehandelt. Auch als Bundespräsidentin war sie im Gespräch. Doch jetzt will Annegret Kramp-Karrenbauer erst einmal eines: wieder Ministerpräsidentin des Saarlandes werden. Seit 2011 ist die CDU-Politikerin Regierungschefin des Landes - zunächst an der Spitze einer sogenannten Jamaika-Koalition (mit FDP und Grünen), die vergangenen Jahre mit der SPD als Juniorpartner.

Ein Großteil der Saarländer wünscht sich eine Fortsetzung der großen Koalition. Auch Kramp-Karrenbauer möchte das Regierungsbündnis erneuern - aber nur, wenn sie es wieder führen kann. Die 54-Jährige ist bei den Saarländern sehr beliebt. Umfragen bescheinigen ihr Zustimmungwerte um die 70 Prozent. Kramp-Karrenbauer studierte Politik und Jura und ist seit fast 20 Jahren in der Landespolitik tätig. Unter ihrem Vorgänger Peter Müller hatte sie verschiedene Ministerämter inne - sie war unter anderem die erste Innenministerin eines Bundeslandes. Kramp-Karrenbauer ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.

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Anke Rehlinger (SPD)

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz besucht das Saarland

Quelle: dpa

Wenn von der saarländischen SPD-Spitzenkandidatin die Rede ist, tauchen häufig Floskeln wie "Kraftakt" oder "Stemmerqualitäten" auf. Der Grund: Anke Rehlinger ist nicht nur seit drei Jahren Vize-Regierungschefin des Saarlands, sondern hält in dem Bundesland seit Mitte der 1990er Jahre auch den Rekord im Kugelstoßen (16,03 Meter) und den Jugendrekord im Diskuswurf (49,18 Meter). Noch 2016 holte sie in beiden Disziplinen bei den Landesmeisterschaften der Senioren den Titel. "Ich bin in Form", sagt Rehlinger.

Den Schwung will sie nutzen, um nach 18 Jahren wieder das Amt des Ministerpräsidenten für die SPD zu erobern. Eine "3 vorne" lautet das Ziel der studierten Juristin. Dank des "Schulz-Effekts" scheint dies nun auch möglich, denn der katapultierte die Saar-SPD zuletzt in Umfragen von etwa 25 auf 33 Prozent - also sehr nah ran an die CDU. Wie für Kanzlerkandidat Martin Schulz ist auch für Rehlinger "soziale Gerechtigkeit" das große Thema. Die Koalitionsfrage lässt die SPD-Spitzenkandidatin offen. Die heute 40-Jährige war in der derzeitigen schwarz-roten Regierung zunächst Justiz-, Umwelt- und Verbraucherschutzministerin, übernahm dann 2014 von Heiko Maas das Wirtschaftministerium und den Posten als Vize-Landeschefin. Sie ist verheiratet und hat einen Sohn im Grundschulalter.

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Oskar Lafontaine

Oskar Lafontaine beim Straßenwahlkampf

Quelle: dpa

Seit den späten 1960er Jahren ist der heute 73-Jährige in der Politik tätig, zunächst als SPD-Mitglied. Lafontaine war Oberbürgermeister von Saarbrücken, Ministerpräsident im Saarland, Kanzlerkandidat, SPD-Chef und Bundesfinanzminister - aus Protest gegen den Kurs der Regierung von Gerhard Schröder legte er diesen Posten nur wenige Monate nach Amtsantritt nieder. 2005 verließ er die SPD. Es folgten der Eintritt bei der neugegründeten WASG, der Co-Vorsitz der Linksfraktion im Bundestag und Co-Vorsitz bei der neugebildeten Partei Die Linke. Wegen einer Krebserkrankung zog er sich aus der Bundespolitik zurück. Seit 2009 ist Lafontaine Fraktionschef der Linken im Saarland - und nun noch einmal deren Spitzenkandidat.

"Wahlkampf macht mir immer noch Spaß", sagt Lafontaine. Umso mehr, als er auf eine Regierungsbeteiligung hofft. Eine rot-rote Koalition wäre jüngsten Umfragen zufolge rechnerisch möglich. Der "Wille nach einem Politikwechsel" sei da, findet der studierte Diplom-Physiker. Politikwechsel heißt für ihn: mehr investieren, Reiche stärker besteuern, sozialen Wohnungbau fördern. Lafontaine ist in vierter Ehe mit der Linken-Spitzenkandidatin im Bund, Sahra Wagenknecht, verheiratet. Aus früheren Beziehungen hat er zwei mittlerweile erwachsene Kinder.

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Hubert Ulrich und Barbara Meyer-Gluche (Grüne)

Bilder des Tages Die Grünen ziehen mit einer Doppelspitze in den Wahlkampf für die Landtagswahl 2017

Quelle: imago/Becker&Bredel

Die Grünen gehen wie üblich mit einer männlich-weiblichen Doppelspitze an den Start. Zum langjährigen Landes-Grünen-Chef und Fraktionsvorsitzenden Hubert Ulrich, der schon seit den frühen 1980ern politisch tätig ist, gesellt sich die 32-jährige Saarbrücker Kreisvorsitzende und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Grünen-Fraktion im Landtag, Barbara Meyer-Gluche. Wer die Nummer eins ist, daran gibt es keinen Zweifel: Der 59 Jahre alte Ulrich führt die Landesliste an - und vertrat die Partei auch bei der Wahl-TV-Debatte. "Die weiblichen Co-Vorsitzenden wechseln, doch Ulrich bleibt", schrieb der Saarländische Rundfunk.

Ulrich gilt als gewiefter Stratege. 2009 gelang es ihm, seine Partei in der ersten Jamaika-Koalition auf Landesebene für ein paar Jahre an die Macht zu bringen. Ulrich geriet dabei wegen der Großspende eines FDP-Politikers an die Grünen unter den Verdacht der Käuflichkeit, ein Vorwurf, der aber nicht bewiesen werden konnte. Dieses Mal muss die Partei um den Einzug ins Parlament bangen. Wichtigstes Anliegen des diplomierten Wirtschaftsingenieurs ist es, die Flutung stillgelegter Gruben zu verhindern, um so das Trinkwasser zu schützen. Außerdem wollen die Grünen, dass wieder mehr in Bildung investiert wird. Ulrich ist verheiratet und hat vier Kinder.

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Rolf Müller (AfD)

Talkrunde Landtagswahl Saarland

Quelle: dpa

Rolf Müllers politische Laufbahn begann erst mit der Gründung der AfD - seit Bestehen des saarländischen Landesverbands im Jahr 2013 ist er dabei. Bis zur Verrentung war der studierte Gymnasiallehrer nach eigenen Angaben selbständig in der Bauwirtschaft tätig. Mit 66 Jahren will Müller als Spitzenkandidat der Partei nun erstmals in den Landtag einziehen. Das dürfte ihm gelingen. Umfragen sehen die AfD mit sechs bis sieben Prozent klar über der Fünf-Prozent-Hürde. Der AfD-Bundesverband wollte ein Antreten des Landesverbands bei der Wahl eigentlich verhindern - die Verstrickungen einiger Mitglieder in die rechtsextreme Szene schienen mit Blick auf die Bundestagswahl nicht förderlich. Müller selbst fiel dadurch auf, dass er im Antiquitätengeschäft seiner Frau NS-Orden verkaufte. Strafbar war das nicht - die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen dazu im Februar ein.

Ganz oben auf dem "Kernpunkteprogramm" der Saar-AfD steht der Erhalt der "Eigenständigkeit des Saarlands" und die Forderung nach einem Schuldenschnitt für das verschuldete Bundesland. In einer TV-Debatte fiel Müller allerdings mehr mit bundespolitisch relevanten AfD-Anliegen wie Kritik an der Flüchtlingspolitik und der Forderung nach Abschaffung des Euro auf. Müller, der mit Vornamen eigentlich Rudolf heißt, sagte als einziger Spitzenkandidat einer relevanten Partei ein Live-Interview beim Saarländischen Rundfunk ab.

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Oliver Luksic (FDP)

An election placard showing Luksic, top candidate of the liberal Free Democratic Party (FDP), is pictured in Saarbruecken

Quelle: REUTERS

Der 37 Jahre alte Liberale kämpft um den Wiedereinzug seiner Partei ins saarländische Landesparlament. Nach den Querelen um die Jamaika-Koalition war die FDP 2012 mit nur 1,2 Prozent der Stimmen aus dem Parlament geflogen. Unter Luksic, der sie seit 2011 führt, hat die Saar-FDP zuletzt wieder an Zustimmung gewonnen. Doch ob es reicht, ist fraglich - die meisten Umfragen sehen die Partei unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde. Luksic versucht sich dennoch in Optimismus: Die FDP werde gebraucht, findet er und beschwört das Schreckgespenst einer rot-roten Regierung, die es ohne seine Partei "in jedem Fall" geben werde.

Luksic arbeitet als freiberuflicher Unternehmensberater. Er studierte Politik und Volkswirtschaft in Paris und Europastudien in London - und so macht er sich nun auch in seiner Heimat dafür stark, neben dem - naheliegenden - Französisch auch das Englische zu stärken. Er will die Wahlfreiheit zwischen G8 und G9, mehr Lehrer, weniger Bürokratie und den Mittelstand stärken. Luksic war lange in der Kommunalpolitik und als Landeschef der Jungen Liberalen tätig. Von 2009 bis 2013 saß er für die FDP im Bundestag. In dieser Zeit war der Tennis- und Fußballspieler seinem Wikipedia-Eintrag zufolge sogar Torschützenkönig beim FC Bundestag (übrigens: auch Oskar Lafontaine kickte im Abgeordneten-Team). Luksic ist verheiratet und hat zwei Kinder.

© SZ.de/mit Material von dpa/fued
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