Wahl des neuen italienischen Staatspräsidenten:Der "Verschrotter" macht mobil

Der PD-Rebell Matteo Renzi hatte schon Tage vor der Wahl mitgeteilt, dass er nicht damit einverstanden sei, Marini in den Quirinalspalast zu bringen. Für den Bürgermeister von Florenz ist Marini ein Vertreter des alten Politik- und Parteiwesens der Zweiten Republik, und Renzis ganzes politisches Wirken zielt darauf ab, diese Klasse zum Alteisen zu werfen, weshalb er "Verschrotter" genannt wird. Die Bürger hätten sich bei den Parlamentswahlen mit der Entscheidung für eine innovative PD und für die Bewegung Fünf Sterne klar gegen die Vertreter des alten Systems ausgesprochen. Marini, der in seinem Wahlkreis in den Abruzzen bei der Parlamentswahl durchfiel, sei ihnen nicht vermittelbar, argumentiert Renzi. Die 40 bis 50 ihm nahestehenden Abgeordneten kündigten daraufhin an, nicht für Marini zu stimmen.

Nach dem Scheitern des ersten Wahlgangs machte Renzi die Führung der PD für den "Riss" verantwortlich, der durch die Partei gehe. Das Unbehagen an der Nominierung Marinis liegt auch daran, dass sie aus einer Absprache mit Berlusconi hervorgeht, mit dem Bersani bisher keinesfalls eine Regierungskoalition eingehen will.

Die Stimme der Straße wird lauter

Auch der Bündnispartner der PD, die ökologische Linkspartei SEL, kündigte den Bruch mit der PD an - wegen der Entscheidung für Marini. Dieser sei ein respektabler Mann, "aber nicht die Gestalt für den dramatischen Weg, den wir vor uns haben", sagt SEL-Chef Nichi Vendola. Seine Partei werde für Stefano Rodotà stimmen. Den hatten die Anhänger der Protestbewegung Fünf Sterne in einer Online-Abstimmung auf Platz zwei der Präsidentschaftkandidaten gewählt.

Die Erstplatzierte, eine bekannte Fernsehjournalistin, wollte nicht antreten. So wurde der 79 Jahre alte Rodotà zum Bewerber. Und der Vorschlag trifft auch außerhalb der Fünf Sterne auf viel Zustimmung. Rodotàs Namen riefen draußen an der Piazza di Montecitorio einige Hundert Demonstranten, während drinnen die Abgeordneten, Senatoren und Vertreter der Regionen zum ersten Mal abstimmten. Rodotàs Chancen dürften über Nacht steigen.

© SZ vom 19.04.2013/webe
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