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Wahl des Bundespräsidenten:Neuwahl in Österreich - Es wird hart und schmutzig

Austrian top candidates for presidential elections at television

Kandidaten für das Bundespräsidentenamt: Alexander van der Bellen (Grüne, links) und Norbert Hofer (FPÖ, ziemlich rechts)

(Foto: dpa)

Brexit, präsidiales Gehabe und üble Gerüchte: Der neue österreichische Wahlkampf ums Präsidentenamt dürfte noch drastischer ausfallen - erste Anzeichen gibt es schon.

Alles auf Anfang: Nach der Annullierung der Stichwahl für das Amt des Bundespräsidenten müssen die Österreicher erneut darüber abstimmen, ob der Grüne Alexander Van der Bellen oder der Rechtspopulist Norbert Hofer neues Staatsoberhaupt werden soll. Dass Österreich ein heißer Polit-Sommer bevorsteht, zeichnet sich schon jetzt ab.

Dosis erhöhen, Reize vergrößern

Maximal mobilisieren - mehr denn je werden die Wahlkampagnen dieses Ziel verfolgen. Leicht ist das nicht. Die dritte Bundespräsidentenwahl innerhalb weniger Monate dürfte viele Wähler ermüden. Um Abnutzungstendenzen entgegenzuwirken, werden die Kandidaten und ihre Helfer versuchen die Reize zu vergrößern und noch pointierter aufzutreten.

Heikle direkte Verbal-Angriffe dürften die Kandidaten allerdings ihren Büchsenspannern überlassen. Schroffe Attacken, wie beim peinlichen TV-Duell ohne Moderator, werden Hofer wie Van der Bellen sich wohl nicht mehr leisten.

Präsidiales Auftreten

Beide Kandidaten achten schon jetzt darauf, möglichst staatsmännisch zu wirken. Van der Bellen ist für manche bereits der gefühlte Präsident. Der Wirtschaftsprofessor erklärt etwas vollmundig, er würde den Wahlsieg auch ein zweites Mal schaffen.

Hofer hingegen wird als Dritter Parlamentspräsident tatsächlich ab dem 8. Juli, einen Teil der Amtspflichten des Staatsoberhauptes übernehmen. Es sei staatspolitisch ein Riesenfehler, wenn er darauf verzichten würde, sagt Hofer. Er will also gleichzeitig ein zur Neutralität verpflichteter Interims-Präsident und wahlkämpfender Präsidentschaftskandidat sein.

Es wird schmutzig - dafür sorgt die FPÖ

Die bei dem Richterspruch zur Schau gestellte Zurückhaltung der FPÖ-Größen sollte nicht täuschen. Im Wahlkampf wird die radikal rechte Partei mit einem bewährten Mittel versuchen, Stimmen zu fischen: negative campaigning. Die Hauptstoßrichtung geht diesmal wohl eher nicht direkt gegen Flüchtlinge und Muslime, aber simpel wie bekannt dürfte sie trotzdem sein: Es wird gegen die EU gehen, die von der FPÖ als antidemokratischen Elitenprojekt bezeichnet wird.

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Van der Bellen gegen Hofer, nächste Runde: Schlampereien bei der Präsidentenwahl machen eine neue Stichwahl nötig. Kanzler und Noch-Präsident versuchen dem Gutes abzuringen.   Von Cathrin Kahlweit

Die FPÖ wird versuchen, Hofer zum Bollwerk gegen "die da" in Brüssel hinzustellen - und als Garant gegen einen Beitritt der Türkei. Die persönliche Diffamierung von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz ist bereits im Gange.

Für eine weitere Steigerung könnte die dem Hofer-Lager nahestehende Identitäre Bewegung sorgen, die mit ihren Aufmärschen Stimmung macht. Auch wurden von der völkischen Bewegung schon Veranstaltungen politisch Andersdenkender gestürmt. Ein besonders übles Gerücht setzten Hofer-Anhänger schon ins Internet: Ein gefälschtes ärztliches Schreiben, wonach Van der Bellens schwer krank sei.