Mistresilasie Tamerat hat als Treffpunkt eine Hotelbar in Addis Abeba vorgeschlagen. Ein schickes Lokal mit großen Fenstern und exotischen Pflanzen, wo gut gekleidete Menschen in samtroten Ohrensesseln vor aufgeklappten Laptops sitzen. Doch Mistresilasie Tamerat ist nicht da. „Ich bin oben“, schreibt sie auf Whatsapp. Also die Treppe hoch, die man vorher gar nicht bemerkt hat. Doch auch auf der Galerie ist sie nicht zu sehen, kein Mensch ist hier zu sehen. Bis sich ganz hinten in der Ecke erst ein Kopf aus der Deckung eines breiten Ohrensesselrückens wagt, dann eine winkende Hand. „Hier.“
Äthiopien„Wer die Regierung kritisiert, endet im Gefängnis – oder lebt in Angst, so wie ich“
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In Äthiopien wird gewählt an diesem Montag, der Sieger steht längst fest: die Regierungspartei, die seit Jahren Opposition und unabhängige Medien drangsaliert. Mistresilasie Tamerat, 23 Jahre alt, fordert sie heraus. Warum tut sie sich das an?
Von Paul Munzinger, Addis Abeba
