Rot-Rot-Grün Eine linke Mehrheit wird es so bald nicht geben

Sahra Wagenknecht zieht sich von der Fraktionsspitze der Linkspartei zurück.

(Foto: dpa)

Auch der Rückzug von Sahra Wagenknecht ändert daran nichts. SPD und Linke verlieren nur eine Ausrede für die mangelnde Anziehungskraft des linken Lagers.

Kommentar von Nico Fried, Berlin

Zu den politischen Mythen hierzulande zählt, dass SPD, Grüne und Linke 2013 eine Mehrheit hatten, um eine Regierung zu bilden. Das stimmte rechnerisch, politisch war es falsch: Nur weil der Kanzlerkandidat Peer Steinbrück damals eine Regierungsbildung mit der Linken abgelehnt hatte, kam die SPD auf 25,7 Prozent. Hätte er Rot-Rot-Grün für vorstellbar erklärt, wäre das Ergebnis der SPD wohl eher schlechter ausgefallen - zum Beispiel so wie 2017 bei Martin Schulz, der Rot-Rot-Grün nie ausgeschlossen hatte.

Dass eine Mehrheit links der Mitte seit 2005 nicht zur linken Mehrheit reichte, lag auch an den Vorbehalten in der SPD gegenüber Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht - aber nicht nur. Inzwischen gibt es selbst rechnerisch keine Mehrheit, weder im Parlament noch in den Umfragen. Daran wird auch der Rückzug Sahra Wagenknechts so bald nichts ändern.

Die Linke musste erkennen, dass sie auch von hohen Verlusten anderer nicht profitieren kann. Der Protest fühlt sich heute bei der AfD besser aufgehoben. Und die SPD schrumpft weiter, weil sie nicht davon loskommt, sich selbst als Regierungspartei auch die wichtigste Opposition zu sein. Nicht der Weg zu einer linken Mehrheit ist nach Wagenknecht frei. Verloren haben SPD und Linke nur eine Ausrede für die mangelnde Anziehungskraft des ganzen linken Lagers.

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