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Waffenlieferungen an Assad-Gegner:Böse Rebellen, gute Rebellen

Ein schlafender Kämpfer der Freien Syrischen Armee in Aleppo

(Foto: AFP)

Von geheimen Stützpunkten in der Türkei und Jordanien aus wollen die USA die syrischen Rebellen mit Waffen beliefern - allerdings nur die "guten". Wie diese von Dschihadisten, mit denen sie Seite an Seite kämpfen, zu unterscheiden sind, bleibt unklar.

Als US-Präsident Barack Obama vergangene Woche nach 27 Monaten Krieg in Syrien seinen Kurswechsel verkündete, hatten seine Geheimdienste ihre Vorbereitungen längst getroffen. Das syrische Regime von Baschar al-Assad habe Chemiewaffen eingesetzt und damit die "rote Linie" überschritten, verkündete die Regierung in Washington, die USA wollen fortan offenbar Waffen an Assads Gegner liefern. Schon seit Monaten versorgen die USA die Aufständischen mit Schutzwesten, Nachtsichtgeräten, Lebensmitteln und Verbandszeug. Zuständig war bislang das Außenministerium. Nun aber übernimmt der Auslandsgeheimdienst.

Die CIA, so fand die Washington Post heraus, hat längst geheime Stützpunkte in Syriens Nachbarländern Türkei und Jordanien aufgebaut. Von dort aus sollen Munition und Kleinwaffen, womöglich auch Panzerabwehrraketen an Assads Gegner in Syrien geliefert werden, Luftabwehrraketen hingegen nicht. Die US-Regierung will offenbar nicht den gleichen Fehler machen wie in den 1980er Jahren in Afghanistan.

Eine von vielen ungeklärten Fragen

Damals lieferten die Amerikaner leicht bedienbare Luftabwehrraketen an die Mudschaheddin am Hindukusch. Die sowjetische Lufthoheit war plötzlich passé. Nach dem Abzug der Sowjets wendeten aber jene Männer, die mit US-Hilfe gegen die Sowjets gekämpft hatten, ihre US-Waffen gegen den Westen. Aus guten Verbündeten wurden böse Taliban beziehungsweise Al-Qaida-Anhänger.

Wohl auch deswegen unterscheidet die US-Regierung dieser Tage in Syrien gerne zwischen "bösen" syrischen Rebellen und "guten": den Dschihadisten, die gegen Assad kämpfen, und dem Rest. Erstere will Obama ächten, letztere hingegen unterstützen. Das funktioniert zwar bislang nicht einmal bei der Ausbildung von Rebellen in Jordanien, bei der Bewaffnung aber soll es nun klappen.

So betonte Obamas Berater Benjamin Rhodes, dass die Vereinigten Staaten nicht nur in der Lage seien, Waffen nach Syrien zu liefern, sondern dass diese auch "in die richtigen Hände" gelangen würden. Wie die US-Regierung verhindern will, dass ein "guter" Rebell, also etwa ein Kämpfer der Freien Syrischen Armee, seine Waffe an einen Dschihadisten weiterreicht, mit dem er Seite an Seite kämpft, verriet Rhodes nicht. Es ist eine der vielen ungeklärten Fragen im syrischen Chaos.

Längst ist aus dem Bürgerkrieg ein internationaler Konflikt geworden

Längst ist der Aufstand gegen Assad ein internationaler Konflikt geworden. Auf der einen Seite: die Rebellen samt den USA und arabischen Länder wie Saudi-Arabien und Katar. Auf der anderen Seite: das Regime, Russland, die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah und Iran, das nach bislang unbestätigten Medienberichten 4000 Kämpfer der Revolutionsgarden nach Syrien schicken will.

Die internationalen Assad-Gegner denken indes laut über eine Flugverbotszone in Syrien nach. F-16-Kampfjets und Patriot-Raketen hat die US-Regierung bereits ins benachbarte Jordanien verlegt - für eine Militärübung, wie es zunächst hieß. Mittlerweile bestätigte ein Sprecher Obamas, dass sie auch nach der Übung in Jordanien stationiert bleiben sollen.

Eine Flugverbotszone böte den USA theoretisch einen Weg aus dem Luftabwehrraketen-Dilemma: Assads Luftwaffe könnte keine Angriffe mehr fliegen und trotzdem müssten keine Raketen geliefert werden, die irgendwann gegen den Westen gerichtet werden könnten. Der einzige Haken: Laut einem Bericht des Spiegel will statt den USA mittlerweile Saudi-Arabien Luftabwehrraketen vom Typ Mistral an die Rebellen liefern.