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Waffengesetze:Blut an den Händen

Die meisten Amerikaner wehren sich gegen härtere Regeln.

Von Hubert Wetzel

Barack Obama muss sich seiner Tränen nicht schämen. Die Zehntausenden Amerikaner, die jedes Jahr an einer Schussverletzung sterben, haben es durchaus verdient, dass ihr Präsident einmal öffentlich um sie weint.

Obamas Tränen waren aber nicht nur Tränen der Trauer, sondern auch Tränen der Wut und der Frustration. Denn der Präsident weiß natürlich, dass die minimale Verschärfung der Waffengesetze, die er nun per Erlass erwirken will, so gut wie nichts bewirken wird. Bestenfalls wird es für den einen oder anderen Kriminellen etwas schwieriger, sich ein Schießeisen zu besorgen. Die Anzahl der Erschossenen in den USA aber, die besser zu einem Bürgerkriegsland denn zu einer vermeintlich zivilisierten westlichen Industrienation passt, wird dadurch nicht nennenswert sinken.

Man kann, wenn es um Amerikas Waffenwahnsinn geht, immer auf verbohrte Republikaner, konservative Verfassungsrichter und die bösen Waffenlobbyisten zeigen. Und sicher tragen sie ihren Teil der Schuld, dass Amerikas Waffengesetze so absurd lax sind und immer noch weiter gelockert werden. Sie alle haben, wenn man es drastisch ausdrücken will, Blut an den Händen. Im Kern aber, ist das Problem kein politisches oder juristisches, sondern ein gesellschaftliches: Die Mehrheit der Bürger will am Recht auf Waffenbesitz nicht rühren. Und die Opfer sind ihnen egal.

© SZ vom 07.01.2016

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