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Vorwurf Islamfeindlichkeit:Femen verliert bekannteste arabische Aktivistin

Amina Sbouï bei ihrer vorübergehenden Freilassung aus einem tunesischen Gefängnis.

Amina Sbouï bei ihrer vorübergehenden Freilassung aus einem tunesischen Gefängnis.

(Foto: AFP)

Amina Sbouï protestierte gegen die Salafisten in Tunesien und musste dafür ins Gefängnis. Nun hat die tunesische Aktivistin die Frauenrechtsgruppe Femen verlassen. Der Grund: Ihr Name solle nicht mit einer islamfeindlichen Organisation in Verbindung stehen.

Die tunesische Aktivistin Amina Sbouï hat die Frauenrechtsgruppe Femen verlassen. In einem Gespräch mit der Huffington Post warf die 19-Jährige der Gruppe am Dienstag Islamfeindlichkeit vor. "Ich will nicht, dass mein Name mit einer islamfeindlichen Organisation in Verbindung steht", sagte Sbouï.

In Frankreich hätten Aktivistinnen vor der tunesischen Botschaft "Amina Akbar, Femen Akbar" ("Amina ist groß, Femen ist groß") gerufen und vor einer Moschee in Paris ein Banner mit einem islamischen Dogma verbrannt. "Dies hat viele Muslime und viele meiner Verwandten getroffen. Man muss jede Religion achten", sagte Sbouï. Die Tunesierin warf Femen in dem Interview ebenfalls vor, ihre Geldquellen nicht offenzulegen: "Ich will nicht in einer Bewegung sein, wo es fragwürdiges Geld gibt. Und wenn es aus Israel stammt? Ich will es wissen".

Mit dem Austritt Sbouïs verliert die umstrittene Gruppe ihre bekannteste arabische Aktivistin. Die Schülerin war am 19. Mai festgenommen worden, wegen eines "Angriffs auf die guten Sitten". Sbouï hatte das Wort "Femen" auf eine Mauer in der Nähe eines Friedhofs geschrieben, um gegen Salafisten zu protestieren. Bereits vor ihrer Festnahme hatte Sbouï mit Oben-Ohne-Bildern für Aufsehen gesorgt.

Aus Solidarität mit Sbouï demonstrierten drei Femen-Aktivistinnen Ende Mai in Tunis ebenfalls mit entblößten Brüsten, unter ihnen auch eine Deutsche. Die Frauen wurden zunächst zu vier Monaten Haft verurteilt, allerdings wurde die Strafe Ende Juni dann zur Bewährung augesetzt.

Anfang August beschloss das Gericht dann auch überraschend, Sbouï bis zum Prozessbeginn vorübergehend freizulassen. Ihren Kampf für Frauenrechte möchte Sbouï in Zukunft nach eigenen Angaben als Anarchistin außerhalb der Gruppe Femen weiterführen.

Kritik von Femen-Anführerin Schewtschenko

Die in Frankreich lebende Femen-Anführerin Inna Schewtschenko warf Sbouï in einer ersten Reaktion vor, mit ihrer Entscheidung den Islamisten in die Hände zu spielen. "Indem Amina die Aktionen von Femen als kontraproduktiv bezeichnet, verrät sie weltweit Tausende Frauen, die sich ausgezogen haben, um sie zu unterstützen", sagte Schewtschenko.

Sie selbst hatte vor kurzem in der arabischen Welt für Empörung gesorgt, als sie Sätze wie "Was gibt es dämlicheres als den Ramadan" oder "Was ist scheußlicher als diese Religion" twitterte.

© Süddeutsche.de/dpa/afp/schä/mane
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