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Vorwürfe gegen Pakistan:Gefährlicher Grenzverkehr

Pakistan behauptet, die Taliban in der Region zu Afghanistan zu bekämpfen - doch unabhängige Beobachter werfen dem Land vor, die Aufständischen logistisch zu unterstützten.

Auf dem staubigen Boden liegen eine Packung mit Medikamenten, Sandalen, ein Koran, Matten und Kissen. Angenehm kühl ist es im Inneren der Höhle. Flach sind die Decken, gerade so, dass man darin stehen kann. Ein verzweigtes Netz aus Gängen führt ins Innere des Felsens. Einer der Räume diente als Küche, nebenan findet sich ein karg eingerichtetes Schlafzimmer. Hier waren Menschen am Werk, die Zeit hatten, die einst ungestört buddeln konnten, um sich ihren Stützpunkt zu errichten. Über Verästelungen geht es wieder nach draußen, in die pralle Sonne. Schießscharten sind zu erkennen. Ein Wecker in Form einer Miniatur-Moschee liegt vor der Höhle, die auf einer Anhöhe gelegen ist. Der Zeiger der Plastik-Uhr funktioniert nicht mehr.

Pakistanische Soldaten bei Damadola in der Region Bajaur.

(Foto: ag.afp)

Damadola in der pakistanischen Bajaur-Region: Nur noch ein paar Kilometer sind es von hier aus bis nach Afghanistan, die Berge sind schon klar zu erkennen. Wo das Nachbarland anfängt und Pakistan aufhört, ist hingegen nicht immer so eindeutig auszumachen. Die Grenze wurde vor mehr als 100 Jahren von den britischen Kolonialherren am Reißbrett gezogen, sie verläuft in manchen Dörfern mitten durch Häuser. Heute ist die ungenaue Markierung eine der zentralen Gründe für die Stärke der Taliban: geraten sie in dem einen Land unter Druck, fliehen sie auf die andere Seite der Grenze. Auf der Anhöhe von Damadola griff die pakistanische Armee im Februar eine der letzten Bastionen der Aufständischen in der Region an. Neun Soldaten starben allein in dieser Schlacht. Das Militär fand anschließend nach eigenen Angaben mehr als 30 getötete Taliban-Kämpfer. In der Höhle sieht es aus, als hätten die übrigen Islamisten vor ihrer Flucht keine Zeit verschwendet, irgendetwas zu packen. Alles liegt wild durcheinander verstreut.

Die pakistanische Armee hat an diesem Tag ein halbes Dutzend deutscher Journalisten mit einem Helikopter aus der Hauptstadt Islamabad nach Bajaur geflogen. Die Region gehört zu den weitgehend autonomen Stammesgebieten Pakistans, die Regierung hat hier wenig Einfluss. Lange Zeit war auch Bajaur ein Rückzugsgebiet für die Taliban, bis die Armee im Jahr 2008 eine Offensive gegen die Aufständischen begann und nach mehr als einem Jahr für weitgehend beendet erklärte. Normalerweise ist dieses Gebiet für unabhängige Berichterstatter nicht zugänglich, aber die Armee möchte die Vorwürfe des Westens widerlegen, der offizielle Verbündete Pakistan tue im Kampf gegen die Taliban zu wenig.

Einige Kilometer von der Höhle entfernt, im Hauptquartier des Grenzcorps, zeigt Oberst Nauman Saeed grausame Bilder. Ein enthaupteter Soldat ist auf den Aufnahmen zu erkennen, angeblich von den Taliban hingerichtet. Es folgen Karten von Bajaur. Schattiert sind darauf die Gebiete, aus denen die Aufständischen vertrieben worden sind, auch die Stämme hätten sich dem Kampf angeschlossen, erzählt Saeed. Fast die komplette Region sei nun "unter Kontrolle". In pakistanischen Zeitungen heißt es allerdings, Bewohner in Bajaur berichteten inzwischen wieder voller Schrecken von Drohbriefen der Taliban.