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ARD-Vorwahlumfrage vor der Bundestagswahl:Regierung und Opposition liefern sich Kopf-an-Kopf-Rennen

Der Vorsprung der schwarz-gelben Koalition ist weg: Eineinhalb Wochen vor der Bundestagswahl verlieren Union und FDP einer neuen Umfrage zufolge ihre Mehrheit gegenüber der Opposition aus SPD, Grünen und Linken. Auch Kanzlerin Merkel - lange unangefochten in der Wählergunst - büßt zumindest in einer Umfrage deutlich an Popularität ein.

Vielleicht war das Kanzlerduell für einige Wähler aussschlaggebend, ihre Meinung über die SPD zu revidieren. Oder es lag an Merkels verhältnismäßig schwachem und Steinbrücks souveränem Auftritt in der ARD-Wahlarena. Wenige Tage vor der Bundestagswahl geht es langsam aufwärts für die SPD. Einer neuen Umfrage nach zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Schwarz-Gelb und dem Oppositionslager aus SPD, Grünen und Linken ab.

Laut der am Donnerstagabend veröffentlichten Vorwahlumfrage des ARD-"Deutschlandtrends" erreichen Union und FDP zusammen 45 Prozent. SPD, Grüne und Linke kommen demnach auf 46 Prozent. Damit hat das Regierungsbündnis von Union und FDP laut der Umfrage mit 45 Prozent einen Punkt weniger als die Oppositionsparteien von SPD, Grünen und Linke. Der Abstand liege allerdings innerhalb der Fehlertoleranz, teilte der WDR mit.

Den Demoskopen zufolge verliert die Union in der Sonntagsfrage gegenüber der Vorwoche einen Punkt auf 40 Prozent. Die FDP erreicht demnach unverändert fünf Prozent und muss um den Einzug in den Bundestag bangen.

Die SPD gewinnt einen Punkt hinzu auf 28 Prozent. Die Grünen bleiben unverändert bei zehn Prozent, die Linken bei acht Prozent. Piraten und die Alternative für Deutschland (AfD) würden laut dieser Umfrage mit 2,5 Prozent den Einzug in den Bundestag nicht schaffen.

Merkel verliert an Zustimmung

Die meisten der Befragten würden eine große Koalition aus Union und SPD bevorzugen: 47 Prozent sehen sie als "gut für Deutschland" an, das sind drei Punkte mehr als Anfang August. Für eine Fortsetzung der schwarz-gelben Koalition sprachen sich dagegen noch 38 Prozent aus, das sind acht Prozent weniger als zuvor. Ein Bündnis von SPD und Grünen erhält einen Wert von 41 Prozent.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) büßt in der Umfrage deutlich an Zustimmung ein. Bei einer Direktwahl würden 49 Prozent Merkel wählen, das sind fünf Punkte weniger als in der Vorwoche. Auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück verliert allerdings zwei Punkte, er würde demnach von 32 Prozent direkt ins Kanzleramt gewählt werden.

Dies ist die letzte bundesweite Umfrage, die die ARD vor der Bundestagswahl am 22. September veröffentlicht. Die Umfrage hat Infratest dimap am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag dieser Woche unter 2012 Wahlberechtigten erhoben.

Ähnliche Tendenzen zeigte zuletzt die Forsa-Umfrage. Auch hier konnte die SPD leicht zulegen, während die Union leicht verlor. Das ZDF Politbarometer ergab ebenfalls einen ähnlichen Trend, allerdings mit geringfügigen Abweichungen. Union und FDP kommen hier auf insgesamt 46 Prozent. Eine Rot-Rot-Grüne Koaltion läge bei 44 Prozent. Die FDP bleibt unverändert bei sechs Prozent. Im Gegensatz zur ARD-Studie rückt aber für die AfD der Einzug ins Parlament mit vier Prozent in greifbare Nähe.

Auch in der Kanzlerfrage kommt das Politbarometer zu anderen Ergebnissen. Während Merkel in der ARD-Studie an Steinbrück verliert, bleibt die Kanzlerin beim ZDF unverändert bei 59 Prozent. Allerdings konnte der SPD-Kanzlerkandidat von 30 auf 32 Prozent dazugewinnen.Näheres zu den Wahlumfragen können Sie in unserem Wahlumfragen-Trendmonitor nachlesen.

Darin werden außerdem die Daten der aktuellen Umfragen aller relevanten Institute (ARD, ZDF, Forsa, Emnid und Allensbach) gebündelt und ein Durchschnittswert errechnet. Demnach kommen CDU/CSU aktuell auf 40 Prozent. Die SPD konnte den Abwärtstrend vorerst beenden und liegt nun bei 28 Prozent. Die größten Verluste müssen die Grünen einstecken. Während sie im März noch bei mehr als 15 Prozent gelegen hatten, sanken die Umfragewerte zuletzt auf knapp unter zehn Prozent.

Die FDP vegetiert an der Fünf-Prozent-Grenze und würde momentan gerade so in den Bundestag einziehen. Im Gegensatz zur Linken, die mit 8 Prozent im Parlament sitzen würden. Piraten und AfD hingegen werden zumindest laut der aktuellen Umfragewerte den Einzug ins Parlament nicht schaffen.

Zur Wahl in Hessen gab es ebenfalls eine ARD-Vorwahlumfrage: Die CDU erreicht dort eineinhalb Wochen vor der Landtagswahl 40 Prozent. Die SPD kommt auf 32 Prozent. Beinahe gleichauf sind Schwarz-Gelb mit zusammen 46 Prozent und Rot-Grün mit zusammen 44,5 Prozent. Die neuesten Umfrage-Ergebnisse zu den Landtagswahlen in Hessen und Bayern haben wir ebenfalls im Wahlumfragen-Trendmonitor für Sie zusammengefasst.

© Süddeutsche.de/AFP/dpa/gal/schae
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