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Vorwahlkampf der US-Republikaner:Romney profiliert sich als Chefkritiker

In wenigen Tagen stehen in New Hampshire die Vorwahlen der US-Republikaner an: Doch in einer Fernsehdebatte verzichten die Konkurrenten des Favoriten Romney weitgehend auf scharfe Attacken gegen den millionenschweren Geschäftsmann. Der nutzt seinen Freiraum für heftige Kritik an Amtsinhaber Obama.

Drei Tage vor der wichtigen Vorwahl im US-Staat New Hampshire hat sich der Republikaner Mitt Romney als Hauptfavorit im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur behauptet. In einer erneuten Fernsehdebatte am Samstagabend (Ortszeit) verzichteten Romneys Rivalen zur Überraschung vieler Beobachter weitgehend auf scharfe Attacken gegen den derzeitigen Spitzenreiter.

Republican Debate Held At St. Anselm College In New Hampshire

Präsidiales Grinsen: Mitt Romney in einer Fernsehdebatte vor den Vorwahlen im US-Bundesstaat New Hampshire.

(Foto: AFP)

Der frühere Gouverneur von Massachusetts hatte dadurch freie Bahn, hauptsächlich Präsident Barack Obama ins Visier zu nehmen - den gesetzten Kandidaten der Demokraten für die Präsidentschaftswahl im November. So warf Romney Obama in der Debatte in Manchester (New Hampshire) unter anderem vor, er wolle die USA "in einen Wohlfahrtsstaat in europäischem Stil verwandeln". Der Präsident habe zudem die Rezession in den USA mit seiner Politik noch verschlimmert und die Erholung erschwert.

Romney, erfolgreicher Geschäftsmann und einstiger Organisator der Olympischen Winterspiele in Salt Lake City, sprach dem Präsidenten außerdem jegliche außenpolitische Führungskraft ab und warf ihm insbesondere auch Schwäche im Kurs gegen Iran vor.

Rick Santorum und die anderen Gegenkandidaten Newt Gingrich und Rick Perry versuchten, sich als konservative Alternative zu Romney zu präsentieren. Sie wollten Romney vor allem seine Vergangenheit als Geschäftsmann zu dessen Nachteil auslegen. "Der Oberbefehlshaber dieses Landes ist kein Geschäftsführer", sagte Ex-Senator Santorum, der bei der ersten Vorwahl in Iowa überraschend nur acht Stimmen weniger als Romney erhalten hatte.

Der frühere Chef des Repräsentantenhauses, Newt Gingrich, warf Romney vor, mit seiner Firma Bain Capital ein "Wall-Street-Modell" zu verkörpern, bei dem Unternehmen mit Hilfe von Fremdkapital übernommen würden: es sei fraglich, ob die Mitarbeiter dieser Unternehmen hinterher besser oder schlechter dagestanden hätten. Romney, wird vorgeworfen, in seiner Zeit als Geschäftsmann für die Zerschlagung von Firmen und Entlassung tausender Arbeiter verantwortlich zu sein.

Romney blieb bei der im Fernsehen übertragenen Debatte drei Tage vor der Vorwahl in New Hampshire gelassen. Immer wieder lächelte er, die Hände in den Hosentaschen, und war durch die Angriffe seine Konkurrenten nicht aus der Ruhe zu bringen.

Umfragen sehen Romney klar vorne

Umfragen deuten auf einen klaren Sieg Romneys bei den nächsten beiden Vorwahlen am kommenden Dienstag in New Hampshire und am 21. Januar in South Carolina hin. Gewinnt Romney auch die dann folgende Abstimmung in Florida, könnte er am 31. Januar die republikanische Spitzenkandidatur praktisch schon in der Tasche haben - vor allem dann, wenn er jeweils solide Vorsprünge vor seinen Rivalen, insbesondere vor Santorum, vorweisen kann.

Als letzter der 50 Bundesstaaten hält Utah Ende Juni seine Vorwahlen ab. Auf dem republikanischen Parteitag in Tampa, Florida, wählen die Delegierten aus den Bundesstaaten Ende August dann offiziell den Herausforderer von Obama. Dieser muss angesichts der schwierigen Wirtschaftslage um seine Wiederwahl bangen.