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US-Vorwahlen in Iowa:Wahlchaos bei den Demokraten

  • Im US-Bundesstaat Iowa haben Republikaner und Demokraten über ihre Wunschkandidaten für die Präsidentschaftswahlen im Herbst abgestimmt.
  • Bei den Republikanern gewann klar Präsident Donald Trump, allerdings auch ohne ernstzunehmenden Gegenkandidaten.
  • Bei den Demokraten stehen die Ergebnisse noch nicht fest. Bei ihrer Übermittlung soll es Pannen gegeben haben.

Die erste Vorwahl der Demokraten im US-Präsidentschaftsrennen ist im Chaos versunken: Die Partei sah sich nach der wegweisenden ersten Abstimmung im Bundesstaat Iowa nicht in der Lage, in der Nacht zum Dienstag Ergebnisse zu veröffentlichen. Von den Bewerbern um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten hagelte es Kritik. Die Vorwahl in Iowa, von der traditionell eine große Signalwirkung ausgeht, hat wegen der Verzögerung zudem zu einer Kontroverse zwischen den demokratischen Bewerbern geführt.

Iowas Parteichef Troy Price sagte in einer kurzen Telefonschalte mit Journalisten, die Ergebnisse würden "später am Tag" bekanntgegeben und müssten, da alle Ergebnisse nun per Hand überprüft würden. Die Demokraten hatten die Verzögerung zuvor mit "Qualitätskontrollen" begründet, weil es bei drei Datensätzen "Ungereimtheiten" gebe. Es handle sich nicht um einen Hackerangriff. US-Medien und an der Auszählung beteiligte Funktionäre berichten, eine App zur Erfassung von Ergebnissen habe Probleme bereitet.

Bei dem komplizierten Wahlverfahren in Iowa sind je nach Auslegung verschiedene Sieger-Rankings möglich. Nach einem ersten Wahlgang dürfen sich Wähler, deren Kandidaten nicht die vorgeschriebene 15-Prozent-Hürde geschafft haben, noch umentscheiden. Im zweiten Wahlgang kann das Ergebnis deshalb deutlich anders ausfallen. Das prozentuale Ergebnis des zweiten Wahlgangs wird dann noch mithilfe einer mathematischen Formel in die Zahl von Delegierten übersetzt. Erstmals wollten die Delegierten dieses Mal alle drei Ergebnisse - also die Prozente aus dem ersten und zweiten Wahlgang sowie die Delegiertenzahlen veröffentlichen. Womöglich ist der Plan, viel mehr Daten bekanntzugeben als sonst, ein Grund für die Panne.

In den Umfragen zeichnete sich zuletzt ein knappes Rennen zwischen Bernie Sanders, Pete Buttigieg, Elizabeth Warren und Joe Biden ab. Trotz der Verzögerung erklärten mehrere Bewerber die Wahl für sich bereits zum Erfolg.

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Der frühere Bürgermeister von South Bend Buttigieg sagte vor Anhängern in Iowas Hauptstadt Des Moines, nach allen Anzeichen gehe er "siegreich" in die nächsten Vorwahlen im Bundesstaat New Hampshire, die am kommenden Dienstag stattfinden.

Das Wahlkampfteam von Senator Bernie Sanders reagierte prompt und veröffentlichte interne Zählungen, wonach Sanders nach Auszählung von allerdings nur 40 Prozent der Wahlbezirke in Iowa vorne liege. Sanders erklärte, er habe "ein starkes Gefühl, dass irgendwann die Ergebnisse bekannt gegeben werden" - und "ein gutes Gefühl, dass wir hier in Iowa sehr, sehr gut abschneiden werden".

Ex-Vizepräsident Biden erklärte bloß: "Wir fühlen uns gut, wo wir stehen, also geht es nach New Hampshire", sagte Biden. Er gehe mit "unserem Anteil an Delegierten" aus der ersten Vorwahl. Bidens Team kritisierte in einem von US-Medien veröffentlichten Schreiben an die Partei in Iowa "erhebliche Mängel" in dem Auszählungsprozess.

Die Senatorin aus Massachusetts, Elizabeth Warren, sagte, das Rennen sei zu eng, um einen Sieger zu benennen, und nutzte stattdessen einen Großteil ihrer Rede dafür, US-Präsident Donald Trump zu kritisieren. "Die Werte eines Präsidenten sind bedeutsam, und alles, was Donald Trump wertschätzt, ist Donald Trump", sagte Warren. "Wir kennen noch nicht alle Ergebnisse heute Abend, aber heute Abend hat gezeigt, dass die Amerikaner einen Hunger nach großem strukturellem Wandel haben."

Bei den Republikanern trat US-Präsident Donald Trump ohne ernstzunehmende Konkurrenz an und setzte sich dementsprechend deutlich mit etwa 97 Prozent der Stimmen durch. "Großer SIEG für uns in Iowa heute Nacht", schrieb Trump auf Twitter. Trumps Wahlkampfmanager, Brad Parscale, spottete über die Demokraten. Sie könnten nicht einmal eine Vorwahl ausführen, wollten aber die Regierung übernehmen, schrieb er auf Twitter. Präsidentensohn Eric Trump twitterte, deshalb wollten die Menschen nicht, dass die Demokraten die USA regierten.

© SZ.de/dpa/mxm/jsa/saul
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