bedeckt München 22°

Vorwahlen in Nevada und South Carolina:Alles im Fluss

Frauen und Latinos bescheren Hillary Clinton einen Sieg, die evangelikalen Wähler wenden sich von Huckabee ab und McCain etabliert sich als Favorit. Dennoch bleibt das Rennen um die amerikanische Präsidentschaft offen.

Reymer Klüver, Washington

Das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur in den USA ist nicht entschieden. Noch nicht. Die Abstimmungen in South Carolina und Nevada waren keine Wahlgänge von strategischer Bedeutung. Sie bieten keine sichere Grundlage für eine Prognose.

Hillary Clinton offenbart wahre Stärke

(Foto: Foto: Reuters)

Hillary Clinton hat in Nevada gewonnen, John McCain in South Carolina: Es steht aber noch lange nicht fest, dass sie tatsächlich die Kontrahenten bei der Präsidentschaftswahl im November sein werden.

Da ist noch viel zu viel im Fluss. Taktisch gesehen allerdings haben es die Ergebnisse in sich.

Obama unter Zugzwang

Hillary Clinton ist nicht nur zurück im Rennen. Ihr Sieg in Nevada offenbart ihre wahre Stärke. Barack Obama ist jetzt unter Zugzwang. Er muss die Vorwahlen in South Carolina auf Seiten der Demokraten am kommenden Samstag überzeugend gewinnen, soll das Rennen wirklich offen bleiben bis zum Megawahltag am 5. Februar, wenn 22 Bundesstaaten gleichzeitig abstimmen.

Was hat zum eindeutigen Erfolg Clintons beigetragen? Da sind zunächst die Frauen. Clinton hat sie wie in New Hampshire wieder für sich mobilisieren können- und die Frauen stellen die Mehrheit aller Wähler.

Clinton hat zudem überzeugend die Hispanics oder Latinos, die Wähler lateinamerikanischer Herkunft, gewinnen können. In den großen Bundesstaaten, die demnächst abstimmen, in Kalifornien, in New York, in Florida und Arizona, stellen sie ein Zehntel und mehr aller Wahlberechtigten. Ihre Stimmen zählen. Gewaltig.

Die Abstimmung dürfte schließlich gezeigt haben, wie wichtig die Unterstützung des demokratischen Establishments für Clinton ist. In Nevada konnte Obama mit dem Segen der größten Gewerkschaft hausieren gehen. Clinton aber hatte die Unterstützung vom Sohn des obersten Demokraten im Senat in Washington, Harry Reid. In vielen der Bundesstaaten, in denen am 5. Februar abgestimmt wird, weiß Clinton ebenfalls die Parteigranden hinter sich.

Was will John Edwards?

John Edwards, der in Nevada in den einstelligen Bereich abgerutscht ist, muss sich nun überlegen, welches strategische Ziel seine Wahlkampagne eigentlich noch verfolgt. Die Kandidatur gewinnen kann er nicht mehr (was eigentlich längst klar war, nun aber um so deutlicher ist).

Kandidiert er nur weiter, weil er mit den Delegierten, die entsprechend seiner Prozentanteile auf ihn entfallen, beim Wahlparteitag die Rolle des Königsmachers übernehmen und den Ausschlag für den Präsidentschaftskandidaten geben will? Bewirbt er sich so als Kandidat für die Vizepräsidentschaft? Edwards wird diese Fragen bald beantworten müssen.

Bei den Republikanern hat sich John McCain mit seinem Sieg in South Carolina nun endgültig als Favorit etabliert. Seit 1980 hat kein republikanischer Bewerber die Kandidatur seiner Partei bekommen, ohne zuvor die Mehrheit in South Carolina gewonnen zu haben.

McCain hat dort den Segen des republikanischen Parteiestablishment erhalten. Das ist ein Signal, dessen Signalwirkung weit über den Bundesstaat hinaus Wirkung zeigen wird.

Huckabee an seinen Grenzen

Sein bisher schärfster Konkurrent Mike Huckabee, der frühere Baptistenprediger aus Arkansas, ist offensichtlich an seine Grenzen gestoßen. Arkansas ist wie South Carolina ein Bundesstaat im Süden der USA. Beide haben eine überdurchschnittlich hohe Zahl an evangelikalen Wählern, deren Werte Huckabee hochhielt.

Aber selbst in einem Bundesstaat, dessen Wählerstruktur ihm entgegenkommt, konnte er nicht überzeugen. Wie soll er dann auf Mehrheiten hoffen dürfen in Bundesstaaten, in denen die christliche Rechte deutlich weniger Wähler stellt? Für Huckabee sieht es nach seinem zweiten Platz nicht gut aus.

Fred Thompson, der andere Kandidat aus dem Süden der USA, dürfte ihm einige Stimmen bei den Parteirechten gekostet haben. Der konservative Thomson, vor einem halben Jahr als große Hoffnung der Partei gefeiert, hat nichts als leere Versprechen und einen lustlosen Wahlkampf geboten und ist über einen dritten Platz nicht hinaus gekommen. Er wird nun bald aus dem Rennen aussteigen.

Giuliani am Abgrund

Mitt Romney aber, der Sieger von Michigan, hat sich alle Chancen gewahrt. Sein Entschluss, den Wahlkampf in South Carolina zwei Tage vor der Abstimmung kurzerhand abzubrechen und sich ganz auf Nevada zu konzentrieren, war ein taktisch gelungener Winkelzug.

Niemand redet über seinen miesen vierten Platz in South Carolina. Alle sehen nur seinen Sieg in Nevada. Der ist zwar politisch bei weitem nicht so bedeutsam wie ein Sieg in South Carolina. Aber es ist ein Signal, dass er weiter im Rennen ist.

Ein gutes Stück dem Abgrund näher ist indes Rudy Giuliani. Seine Strategie, sich auf die Abstimmungen in den großen Bundesstaaten zu konzentrieren und die frühen Vorwahltermine sausen zu lassen, erweist sich zusehends als katastrophaler Fehler.

Giuliani muss nun in Florida gewinnen oder aufgeben. Doch McCain dürfte ihm dort nun nach seinem Erfolg in South Carolina den Rang streitig machen. So spannend war ein Präsidentschaftswahlkampf in den USA schon lange nicht mehr.

© sueddeutsche.de/bavo/woja
Zur SZ-Startseite