Vorwahlen der US-Republikaner:Santorum wirft hin

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"Das Präsidentschaftsrennen ist für uns und für mich vorbei": Rick Santorum, ärgster Konkurrent Mitt Romneys bei den Vorwahlen der Republikaner, hat seine Bewerbung überraschend zurückgezogen. Damit steht Romney als Herausforderer von Präsident Barack Obama bei der Wahl im November so gut wie fest.

Reymer Klüver, Washington

Das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner in den USA ist entschieden. Der Kandidat der Konservativen in der Partei, Rick Santorum, hat am späten Dienstagabend überraschend seinen Ausstieg aus dem Vorwahlkampf bekanntgegeben. Damit macht er den Weg frei für die Nominierung des Spitzenreiters Mitt Romney, dessen schärfster Konkurrent Santorum war. "Übers Wochenende haben wir eine Entscheidung getroffen", sagte ein sichtlich mit den Tränen kämpfender Santorum in seinem Heimatstaat Pennsylvania. "Zwar ist das Präsidentschaftsrennen für uns und für mich vorbei, aber wir werden nicht aufhören zu kämpfen."

Santorum zog die Konsequenz aus den Ergebnissen der Vorwahlen in den vergangenen Wochen, in denen Romney im Rennen um die Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag im August einen faktisch uneinholbaren Vorsprung erlangt hatte. Laut inoffiziellen Zählungen hatte Romney bereits 676 Delegiertenstimmen zusammen, Santorum kam auf lediglich 272 Wahlleute. Für eine Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner sind 1144 Delegiertenstimmen erforderlich. Die beiden anderen noch verbliebenen Kandidaten, Newt Gingrich und Ron Paul, hatten ohnehin keine Aussichten mehr, das Rennen zu ihren Gunsten zu wenden.

Santorum erwähnte Romney in seiner Verzichtserklärung mit keinem Wort. Aus seiner Wahlkampagne hieß es aber, dass er seinen Konkurrenten am Vormittag angerufen und von seinem Schritt unterrichtet hatte. Beide vereinbarten ein Treffen in naher Zukunft - was bereits die Spekulationen befeuerte, dass Santorum im Wahlkampf und im Falle eine Wahlsiegs Romneys in dessen Regierung eine bedeutende Rolle spielen könnte.

Bisher hatte Santorum seinen Konkurrenten als denkbar schwachen Herausforderer für Präsident Obama kritisiert. Zuletzt hatte er sogar den Eindruck entstehen lassen, dass er den Wahlsieg Obamas einem Erfolg Romneys vorziehen würde. Immer wieder warf er seinem Parteifreund vor, nicht konservativ genug zu sein und konservative Positionen nur aus politischer Opportunität im Vorwahlkampf zu vertreten. Die Schärfe seiner Attacken stieß beim republikanischen Partei-Establishment zunehmend auf Unverständnis.

Überraschungssieg in Iowa

Santorum hatte sich mit einem Überraschungssieg in der ersten Abstimmung des republikanischen Vorwahlkampfs, Anfang Januar in Iowa, als Kandidat der Tea-Party-Anhänger und der evangelikalen Christen in der Partei profiliert. Der überzeugte Katholik vermochte danach auch andere Abstimmungen in Bundesstaaten des Mittleren Westen wie Colorado oder Michigan und Vorwahlen im Süden wie in Louisiana oder Mississippi zu gewinnen und etablierte sich damit als härtester Rivale Romneys.

In den entscheidenden, bevölkerungsreichen Staaten wie Florida oder Ohio aber siegte Romney. Santorum war bemüht, sich nicht nur als Hüter konservativer Werte zu stilisieren. Immer wieder versuchte er, sich auch als den wahrhaft ökonomisch Konservativen hinzustellen, der im Gegensatz zum Ex-Manager Romney um die Sorgen der arbeitenden Bevölkerung wisse. Damit entblößte er eine Schwachstelle Romneys, die nun die Demokraten ausnutzen dürften, indem sie den künftigen Herausforderer von Präsident Obama als abgehobenen Multimillionär darzustellen versuchen.

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