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Vorsitzenden-Wahl der UMP:70 Prozent Zustimmung muss Sarkozy ergattern

"Mon Président!" steht auf den blauen Plakaten, die an den grauen Wänden der Sporthalle kleben. Das ist der Plan. Wie viel der wert ist, wird sich am Wochenende zeigen. Mindestens 70 Prozent Zustimmung, so gilt unter UMP-Strategen und Pariser Journalisten als ausgemacht, muss Sarkozy ergattern. Sonst wäre er beschädigt. Eine Umfrage von voriger Woche verheißt dem Wiederkehrer nur 63 Prozent. Das wäre eine Schlappe - und ein Achtungserfolg für Bruno Le Maire, seinen Gegenkandidaten für den Parteivorsitz. Le Maire, ein so brillanter wie biederer Kopf, gewann in den vergangenen Wochen erstaunlich viel Zulauf. Der 45-jährige Absolvent zweier Elitehochschulen diente Sarkozy einst als Minister, er ist beileibe kein feuriger Anti-Sarkozist.

Aber Le Maire laufen all jene UMP-Anhänger zu, die sich die Zukunft ohne einen Mann der Vergangenheit ausmalen. Sarkozy kennt diese Skepsis. Weshalb er in der Beton-Arena von Boulogne-Billancourt selbst intimste Parteifeinde umgarnt. "Ich brauche sie alle", versichert er.

Scheinbar liebevoll säuselt er die Namen seiner Gegner ins Mikrofon: Bruno Le Maire, ja klar - vor allem aber Alain Juppé, seinen härtesten innerparteilichen Konkurrenten im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur. Sarkozy versucht einen Balanceakt, er gibt zugleich den Versöhner und den Erneuerer der Rechten. Er möchte alle mitnehmen und alles einreißen: Die bankrotte UMP will er auflösen und durch eine neue, auf ihn zugeschnittene Partei ersetzen. Deren Namen oder Konzept bleibt Sarkozy auch in der Sporthalle schuldig. Das Programm ist er - basta!

Mehr nach rechts gerückt

Dennoch wird klar, dass der Ex-Präsident seit 2012 nach rechts gerückt ist. Das offenbart er, wenn er empfiehlt, die Nation solle angesichts "der Welle von Zuwanderern" weniger von Integration und "mehr von Assimilation" reden. Es ist sehr zum Wohlgefallen von Max Gaillard, dem Rentner, wenn Sarkozy, unduldsamer denn je, verspricht, das Schengen-Abkommen aufzukündigen. Oder wenn Sarkozy ankündigt, er werde das Gesetz für die Homo-Ehe wieder abschaffen, wie er erst kürzlich vor einer johlenden Menge rechtskatholischer Anhänger sagte.

Alain Juppé, Sarkozys Rivale, hat wissen lassen, er sei mit diesem Rechtsruck nicht einverstanden. Der Bürgermeister von Bordeaux ist moderat. Der Bruderkampf mit ihm um die Präsidentschaftskandidatur dürfte die zweite Etappe von Sarkozys Weg werden. Vorigen Samstag wurde Juppé von Sarkozy-Fans ausgepfiffen, der Ex-Präsident schaute ungerührt.

Der Rentner Max Gaillard hat sich entschieden. "Sarkozy ist der Einzige, der Marine Le Pen stoppen kann", glaubt er. Vorne auf der Bühne hat Sarkozy mit beiden Händen ein Zeichen gegeben - aufstehen zur Hymne! Gaillard schaut glücklich drein, als er die Marseillaise schmettert.

© SZ vom 29.11.2014/fie
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