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Vormarsch gegen Separatisten:Ukrainische Armee zieht Ring um Donezk enger

Steht in der Ukraine eine weitere Verschärfung des Konflikts unmittelbar bevor? Die ukrainische Armee scheint eine Offensive auf die von Separatisten beherrschte Industriestadt Donezk vorzubereiten. Auch von russischer Seite kommen beunruhigende Signale.

  • Verschärft sich der Konflikt in der Ukraine? Regierungstruppen sollen nach und nach einen Ring um die von Separatisten gehaltene Stadt Donezk zusammenziehen.
  • Russland soll einem Zeitungsbericht zufolge die Zahl seiner Soldaten an der Grenze zur Ukraine fast verdoppeln - und zeigt mit einem Militärmanöver demonstrativ Stärke.
  • Die humanitäre Lage in ostukrainischen Städten verschlimmert sich.
  • Nato-Generalsekretär Rasmussen betont die Verteidigungsbereitsschaft des westlichen Militärbündnisses.

Ukrainische Truppen kreisen Separatistengebiete ein

Die ukrainische Armee bereitet möglicherweise eine Offensive auf die von den Separatisten gehaltenen Gebiete um die Städte Donezk und Lugansk vor. Wie die Kiyv Post am Montagabend meldete, wird der Ring um die Gebiete immer enger, sie seien mittlerweile fast völlig eingekreist. Der New York Times zufolge ist die Region um Donezk bereits eingekesselt.

Kiew dränge die Einwohner von Donezk, die Millionenstadt zu verlassen. Die ukrainische Armee habe humanitäre Korridore geöffnet, um diesen die Flucht zu ermöglichen, schreibt die Kiyv Post. Zwei ukrainische Freiwilligen-Bataillone hätten die Stadtgrenze von Donezk erreicht und damit begonnen, die Industriestadt "zu befreien". Russischen Angaben zufolge hatte die ukrainische Armee am Montag Kurzstreckenraketen und Raketenwerfer in die Umgebung der Industriestadt Donezk verlegt.

Moskau erhöht angeblich Truppenstärke an der Grenze deutlich

Russland soll die Zahl seiner Soldaten an der Grenze zur Ukraine fast verdoppelt haben. Das berichtet die New York Times unter Berufung auf westliche Regierungsvertreter. Russische Einheiten könnten somit ohne Weiteres und mit wenig Vorwarnung grenzüberschreitend aktiv werden, heißt es. Den Angaben zufolge hat Russland in den vergangenen Wochen bis zu 17 Bataillone - schätzungsweise zwischen 19 000 und 21 000 Soldaten - im grenznahen Gebiet zusammengezogen. Das Blatt spricht wörtlich von einer "gefechtsbereiten Streitmacht" inklusive Infanterie, Artillerie und Luftabwehr.

Humanitäre Situation in ostukrainischen Städten verschlimmert sich

Die Lage für die Bevölkerung in den ostukrainischen Großstädten Lugansk und Donezk wird derweil immer dramatischer. Nach wochenlangen Kämpfen seien in Lugansk etwa 250 000 Menschen ohne Wasser und Strom, teilten die örtlichen Behörden mit. Sie sprachen von einer "humanitären Katastrophe". Bei tagelanger Hitze habe auch die Müllabfuhr den Dienst eingestellt.

Im benachbarten Donezk versuchten nach einem dringenden Appell der Armee immer mehr Menschen, die Stadt zu verlassen. Beobachter schließen eine Bombardierung nicht aus. Die ukrainische Armee zog ihren Belagerungsring um die Millionenstadt erneut enger. Die Regierungskräfte würden eine massive Offensive vorbereiten, sagte Andrej Lyssenko vom nationalen Sicherheitsrat in Kiew. "Der Angriff ist noch nicht im Gang, aber wir bereiten die Befreiung von Donezk vor."

Immer mehr Ukrainer suchen Zuflucht in Russland

Fehlende russische Gaslieferungen

Kiew bis Oktober ohne warmes Wasser

Weil Russland seine Gaslieferungen eingestellt hat, sind die Bewohner der ukrainischen Hauptstadt Kiew monatelang von der Warmwasserversorgung abgeschnitten. Bürgermeister Klitschko hofft auf das Verständnis der Bevölkerung.

Nach Angaben Russlands und der UN verlassen wegen der Kämpfe in der Ostukraine immer mehr Menschen ihre Heimat und suchen Zuflucht in Russland. Seit Jahresbeginn sei ihre Zahl auf rund 730 000 gestiegen, teilten russische Behörden dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) mit. Hinzu kämen 117 000 Menschen, die innerhalb des Ostukraine durch Kämpfe zwischen Regierungstruppen und pro-russischen Rebellen vertrieben wurden, sagte der Europa-Direktor des UNHCR, Vincent Chochetel, in Genf. Bei den russischen Einwanderungsbehörden hätten sich bislang 168 000 Ukrainer als Flüchtlinge registrieren lassen. Weit mehr würden sich bislang offenbar dort aufhalten, ohne Flüchtlingsstatus zu beantragen.

Die Absichten des Kreml im Ukraine-Konflikt blieben jedoch weiterhin unklar, schreibt die Zeitung unter Berufung auf US-Verteidigungsexperten. Russlands Präsident Wladimir Putin könnte mit der Truppenstationierung Druck auf die ukrainische Führung ausüben wollen, damit diese den östlichen Provinzen eine weitgehende Autonomie zugesteht. Es bestehe aber auch die Möglichkeit, dass Putin sich die Option für ein militärisches Eingreifen schaffe. Denkbar sei, dass Russland seine Truppen auf Anfrage der Separatisten unter dem Deckmantel einer Friedensmission über die Grenze schicken könnte, werden US-Verteidigungs- und Geheimdienstkreise zitiert.

Rasmussen betont Verteidigungsbereitschaft der Nato

Die Nato zeigt sich nach dem Beginn eines großangelegten russischen Militärmanövers am Montag entschlossen. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen betonte die Geschlossenheit des westlichen Verteidigungsbündnisses. "Die Nato ist entschlossen, alle Verbündeten gegen jederlei Bedrohung zu verteidigen", sagte Rasmussen im militärischen Hauptquartier der Nato im belgischen Mons. Der Abschuss von Flug MH17 habe deutlich gemacht, dass ein Konflikt in einem Teil der Welt tragische Konsequenzen überall haben könne. Zusammen mit dem britischen Premier David Cameron hatte Rasmussen zuvor den Nato-Oberbefehlshaber US-General Philip Breedlove getroffen.

An dem russischen Großmanöver beteiligen sich bis zum 8. August Kampfjets und Hubschrauber, sagte am Montag Luftwaffensprecher Igor Klimow der Agentur Interfax zufolge. Erstmals finde ein solches Manöver gleich in drei Wehrbezirken statt. Auch in Nato-Staaten hatte es im Zuge der Ukraine-Krise Manöver gegeben.