Vormarsch der Huthi-Rebellen:Luftangriff auf Präsidentenpalast im Jemen

  • Offenbar hat es einen Luftangriff auf den Präsidentenpalast in der jemenitschen Stadt Aden gegeben. Derzeit ist unklar, ob sich Präsident Hadi dort aufhält. Berichte von seiner Flucht ins Ausland wurden dementiert.
  • In einem Brief bittet Hadi die Vereinten Nationen, eine Resolution zu verabschieden, mit der das Vorrücken der Huthi gestoppt werden soll.
  • Durch den Beschluss könnten Länder militärisch eingreifen, die dazu bereit sind.
  • Offenbar hat Saudi-Arabien bereits Truppen an die Grenze verlegt.

Luftangriff auf Präsidentenpalast in Aden

Im Jemen ist es offenbar zu einem Luftangriff auf den provisorischen Präsidentenpalast von Staatschef Abd Rabbo Mansur Hadi in der Stadt Aden gekommen. Das verlautete aus jemenitischen Sicherheitskreisen. Ein Kampfjet habe mindestens drei Raketen auf die Residenz abgefeuert, berichtete die lokale Nachrichtenseite "Aden al-Ghad" unter Berufung auf Augenzeugen. Bodentruppen hätten das Feuer erwidert. Über dem Gebiet liegen angeblich Rauchschwaden.

Präsident Hadi hatte wegen des Vormarschs der Huthi-Rebellen die Hauptstadt Sanaa vor einigen Wochen verlassen und in der südlichen Hafenstadt Aden Zuflucht gesucht. Allerdings sind die Informationen zu seinem derzeitigen Aufenthaltsort widersprüchlich. Ein Vertreter der Präsidentengarde sagte, Hadi habe den Präsidentenpalast al-Maatschik in Aden mit einem Hubschrauber und begleitet von saudiarabischen Diplomaten "in Richtung Ausland verlassen".

Ein ranghoher Mitarbeiter des Staatschefs dementierte dies jedoch später und sagte, Hadi habe sich "an einen sicheren Ort in Aden" begeben. Auch der jemenitische Sicherheitsdienst hat die Berichte über Hadis Flucht dementiert. Das Staatsoberhaupt befinde sich in seinem Anwesen in Aden, sagte der Leiter des Dienstes der lokalen Nachrichtenseite "Aden al-Ghad". Hadi habe nicht vor, vor den Rebellen zu fliehen.

Bereits in den vergangenen Tagen hatten Kampfflugzeuge die Residenz des Präsidenten in Aden mehrmals bombardiert. Medienberichten zufolge sollen die Angriffe von Verbündeten der schiitischen Huthi-Rebellen geflogen worden sein.

Zudem behaupten die Rebellen, den Verteidigungsminister des Landes festgenommen zu haben. Mahmud al-Subaihi sei in der Stadt Huta gefasst worden, teilte der Sprecher der schiitischen Rebellen, Mohammed Abdulsalam, am Mittwoch im Fernsehsender der Miliz mit.

Huthi-Rebellen erobern Luftwaffenstützpunkt

Mit der Eroberung eines Luftwaffenstützpunktes haben die Huthi einen wichtigen militärischen Sieg errungen. Anwohner in der Nähe des Fliegerhorstes Al-Anad berichten, die Kämpfer hätten den Stützpunkt überrannt. Damit geraten die Truppen des jemenitischen Präsidenten weiter in die Defensive. Beobachter nehmen an, dass die Regierungstruppen jetzt eine Reihe von Kampfflugzeugen nicht mehr einsetzen können.

Der Luftwaffenstützpunkt befindet sich 60 Kilometer nördlich von Aden. Erst vor vier Tagen hatten die USA aus Sicherheitsgründen eigene stationierte Soldaten von der Basis abgezogen. Al-Anad wurde in der Vergangenheit von den USA als Drohnen-Stützpunkt im Anti-Terror-Kampf genutzt. US-Soldaten trainierten dort zudem jemenitische Spezialeinheiten.

Am Dienstag hatten die Aufständischen nach Angaben lokaler Quellen bereits große Teile der Provinz Dali etwa 100 Kilometer nördlich der Hafenstadt Aden erobert.

Brief an den UN-Sicherheitsrat

Bereits am Dienstag hat Präsident Hadi den UN-Sicherheitsrat um Hilfe im Konflikt mit den Huthi-Rebellen gebeten. In einem Brief forderte er das UN-Gremium zur Verabschiedung einer bindenden Resolution auf, mit der das Vorrücken der schiitischen Miliz auf die südliche Hafenstadt Aden gestoppt werden soll.

In seinem Brief, den er an die derzeitige französische Präsidentschaft des UN-Sicherheitsrats adressierte, zeichnete Hadi ein verheerendes Bild der Lage in seinem Land. Es sei zu befürchten, dass die Terrororganisation al-Qaida die Instabilität ausnutze, um "Chaos zu säen" und das Land weiter in Gewalt und Zersplitterung zu drängen. Er sprach außerdem von einer Reihe von Raketen, die den "legitimen Behörden" gestohlen worden seien.

Der UN-Sicherheitsrat hatte kürzlich lediglich eine Erklärung abgegeben und Staatschef Hadi Unterstützung zugesichert. Diplomaten zufolge ist bislang kein neues Treffen zum Jemen geplant.

Die Huthis wollen mehr politische Rechte von der Regierung erpressen und beherrschen seit Monaten große Teile Nordjemens sowie die Hauptstadt Sanaa. Dort hatten sie Hadi und Teile der Regierung über Wochen festgesetzt. Von Aden aus versucht Hadi nun, die Macht im Land wiederzuerlangen.

Saudisches Militär an der Grenze zum Jemen

Saudi-Arabien zieht US-Regierungskreisen zufolge schweres Militärgerät an der Grenze zum Jemen zusammen. Der Aufmarsch könne sowohl offensiven als auch defensiven Zielen dienen, hieß es in den Kreisen. Denkbar sei, dass die saudischen Streitkräfte Luftangriffe zur Unterstützung des geflohenen jemenitischen Präsidenten Abd Rabbo Mansur HadiHadi vorbereiteten.

Hadi wird von Saudi-Arabien und anderen sunnitischen Monarchien der Region unterstützt, die Huthi-Miliz vom schiitischen Iran. Durch eine UN-Resolution könnte ein Eingreifen dazu bereiter Länder gebilligt werden, hieß es in einem Schreiben Hadis. Er habe die Staaten der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats gebeten, dem Jemen auch mit militärischen Mitteln zu helfen.

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