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Vor der Präsidentenwahl in Iran:Der ewige Provokateur tritt ab

Mahmud Ahmadinedschad Iran

Der Polterer am Mikrofon: Ahmadinedschad verteidigt lautstark Irans Recht auf nukleare Forschung

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Sein außenpolitisches Kerngeschäft war die Provokation, in der Innenpolitik war er unnachgiebig und hart: Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat sein Land ruiniert, alle seine Visionen sind geplatzt. Nun steht das Land vor der Wahl, doch egal wer Ahmadinedschad nun nachfolgt, es wird lange dauern, bis sich das Land von seinem Erbe befreit haben wird.

Manche Staatsmänner schaffen es, der Welt mit ein, zwei souveränen Auftritten in Erinnerung zu bleiben, oder aber sie verewigen sich mit legendär peinlichen Fehltritten.

Willy Brandt sank in Warschau auf die Knie, John F. Kennedy war "ein Berliner", Jassir Arafat trat mit Olivenzweig und Pistole vor die Vereinten Nationen, Boris Jelzin dirigierte stocktrunken eine Militärkapelle. Wie Jelzins Show gehört der Auftritt des iranischen Noch-Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad 2008 im UN-Plenarsaal eher in die Kategorie der internationalen Faux-Pas: Der Perser fabulierte zum Erschrecken des Publikums über die bevorstehende Wiederkehr des Mahdi, einer schiitisch-islamischen Erlöserfigur. Kaum wieder in Teheran, ließ er verbreiten, die anderen Staatsmänner hätten ihn "fasziniert" angesehen, denn über seinem Kopf habe sich ein Licht erhoben, ein Heiligenschein: "Ich übertreibe nicht. Sie blinzelten nicht mal", so der Präsident über die angesichts des Wunders angeblich erstarrten Mit-Staatschefs und Botschafter.

Nachweinen wird ihm kaum einer

Man kann über den iranischen Staatspräsidenten denken, was man will, aber er hat so seine eigene Art. Die hat er acht Jahre lang zur Schau gestellt, zum Entsetzen der Außenwelt und sehr vieler Iraner dazu. Jetzt, nach zwei Amtszeiten, tritt Ahmadinedschad verfassungsgemäß ab. Er kann vorerst nicht wieder gewählt werden, am 14. Juni wird ein neuer Präsident bestimmt. Nachweinen wird dem Politiker - abgesehen von seinen noch immer zahlreichen Anhängern in der Islamischen Republik - kaum einer. Ein paar Freunde in Syrien, Libanon, Kuba oder Venezuela, die auch. Aber in Washington, Tel Aviv, Berlin, London, Brüssel und Paris werden sie aufatmen auf den Gängen und in den Büros der Regierenden. Ebenso in den Palästen der Machthaber in Riad, Katar oder Kairo.

Irans Präsidentschaftskandidaten

Im Schatten des Ayatollah

Vor allem in Teheran selbst werden sich viele die Hände reiben, dass sie diesen Präsidenten und seine Entourage nun von der politischen Bühne vertrieben haben und seine Rückkehr an die Macht nach der vorgeschriebenen Karenzzeit von vier Jahren fast ausgeschlossen zu sein scheint: Ahmadinedschads politische Karriere ist fürs Erste beendet. Schuld daran trägt er selbst. Er hatte das theokratische Kleriker-System offen herausgefordert, den in Iran über allen und allem stehenden Geistlichen Führer Ayatollah Ali Chamenei bedroht. Diesen Machtkampf hat Ahmadinedschad verloren.