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Vor der Präsentation der Stresstest-Ergebnisse:Das Schönrechnen hat Tradition

Das Schönrechnen von Kosten und Nutzen hat bei Vorhaben dieser Art Tradition. Bent Flyvbjerg, Professor für Planung an der Universität Oxford, hat vor einigen Jahren 258 internationale Verkehrsprojekte untersucht. Im Schnitt kamen Bahnprojekte um 45 Prozent teurer als geplant. Das ist kein Zufall. Für die Bauherren lohnt es sich, übertrieben optimistische Angaben zu machen.

Denn sind mit dem ersten Spatenstich einmal Fakten geschaffen, wird in aller Regel Geld nachgeschossen und zu Ende gebaut - selbst wenn die Abschlussrechnung fast doppelt so hoch ausfällt, wie im Fall der Neubaustrecke München - Nürnberg. Diese wurde erst mit 3,9 Milliarden Mark kalkuliert und dann für 3,6 Milliarden Euro fertiggestellt.

Wenn Stuttgart 21 irgendwann tatsächlich in Betrieb geht, profitiert davon zwar ein Teil der Pendler in Schwaben. Von Ulm nach Stuttgart in 28 statt 54 Minuten - auch das klingt zunächst verlockend. Doch die 26 Minuten Zeitersparnis sind mit Milliarden an Steuergeldern erkauft. Geradezu absurd erscheint es da, dass die Bahn schon vor fünfzehn Jahren in 2:05 Stunden von München nach Stuttgart fuhr; im aktuellen Fahrplan sind es wenigstens 2:19 Stunden - eine Viertelstunde ging wegen endloser Bauarbeiten und ausgeleierter Trassen verloren.

Ein desolates Gesamtbild

In diesem desolaten Gesamtbild wirkt es fast schon wie eine kuriose Randnotiz, dass die Neubaustrecke wegen der großen Steigungen für Güterzüge nur eingeschränkt nutzbar ist. Selbst das Bundesverkehrsministerium errechnete im vergangenen Herbst, dass der wirtschaftliche Nutzen der Neubaustrecke deutlich unter dem anderer Schienenprojekte liege.

Wozu also dann der ganze Unsinn? Warum steckt Deutschland Milliarden in einen Schienenweg, der nicht einmal zu den großen Verkehrsachsen zählt? Es drängt sich der Eindruck auf, dass Stuttgart 21 am Ende vor allem aus Rechthaberei gebaut wird. Ein Zurück kann es da nicht geben.

Die Verantwortlichen bei Politik und Bahn riskieren lieber Milliarden als den öffentlichen Gesichtsverlust im Falle eines Ausstiegs. Dabei steht das Land in den nächsten Jahren vor gewaltigen Herausforderungen. Alleine der Umbau der Energieversorgung wird mehr als 300 Milliarden Euro kosten. Hier wären die öffentlichen Gelder besser investiert als im Stuttgarter Untergrund.