Vor den Landtagswahlen im Saarland:"Jetzt macht mir der Oskar schon wieder alles kaputt"

Auch eine weitere Konstellation eignet sich für die Analyse in einer psychologischen Doktorarbeit. Heiko Maas und Linke-Fraktionschef Oskar Lafontaine verbindet ebenfalls eine lange, schmerzhafte Geschichte. Lafontaine hat Maas einst entdeckt, ihn zum Staatssekretär gemacht. Später hat er ihn nur noch verdeckt, immer dann, wenn Maas gerade zum Sprung nach oben ansetzen wollte.

1999 flüchtete Lafontaine, damals noch in der SPD, von seinem Posten als Bundesfinanzminister, die Saar-SPD verlor die nahe Landtagswahl haushoch, und Heiko Maas verlor seinen Posten als Umweltminister. Fünf Jahre später trat Maas als SPD-Spitzenkandidat an; und wer tauchte wieder auf? Lafontaine. Maas nahm in ihn sein Team auf, wohl oder übel.

Kurz vor der Wahl griff Lafontaine dann Gerhard Schröder und die Bundes-SPD entgegen einer Absprache mit Maas in einem Interview frontal an - und kokettierte mit der Gründung einer neuen Partei. Die SPD verlor wieder haushoch. "Das Einzige, worauf man sich bei Lafontaine verlassen kann, ist seine Konsequenz in der Illoyalität", sagte Maas später.

2009 der dritte Schlag: Lafontaine trat kurz nach der Wahl als Fraktionschef der Linken im Bundestag zurück, um sich ganz dem Saarland zu widmen. Er stellte mal wieder alle in den Schatten und verschreckte die Grünen. "Jetzt macht mir der Oskar schon wieder alles kaputt", soll Heiko Maas gesagt haben. Heute nennt er die Linke schlicht: nicht regierungsfähig. Und Lafontaine zieht öffentlich über "Heikochen" her.

Das Saarland ist ein winziges Land, nur eine Million Menschen leben hier. Man läuft sich ständig über den Weg, besonders in der Politik. Man trifft sich ständig, oft schmerzhaft. Nicht nur das linke Lager liegt im Clinch, auch die Bande der Bürgerlichen, zwischen CDU und FDP, sind gekappt. Schließlich ließ Regierungschefin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) die Koalition im Januar just dann platzen, als FDP-Chef Oliver Luksic gerade im Kreißsaal die Geburt seiner Tochter erlebte. Er verliert seither kein gutes Wort mehr über die CDU-Frau. Er sagt, ihr Stil lasse von bürgerlichen Werten nichts erkennen. Wohl der Beginn einer wunderbaren Feindschaft.

© SZ vom 14.02.2012/fran
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