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Volkswagen:Nicht schlecht

Das Beste an der Einigung zwischen Konzern und Kunden über die Diesel-Entschädigung ist, dass die Musterklage bald ein Ende hat.

Egal wie man die Höhe des Vergleichs nun bewertet, den Verbraucherschützer und Volkswagen ausgehandelt haben, zugunsten getäuschter VW-Dieselkunden: Es ist gut, dass diese Musterfeststellungsklage bald ein Ende hat. Welch undurchsichtiges und dysfunktionales Konstrukt diese Klageform ist, zeigt schon die ewige Unklarheit darüber, für wie viele getäuschte VW-Kunden sie einen Entschädigungsanspruch hätte erwirken können: Von 460 000 Dieselfahrern sprachen Juristen bislang. Nun stellt sich heraus, dass es um 260 000 ging: Nur so wenige hatten sich offenbar rechtmäßig eingetragen in das Klageregister.

Ohne den Vergleich hätten diese VW-Kunden wohl Jahre lang auf ein Urteil warten müssen - und danach wiederum einzeln klagen. Zum Glück für alle Beteiligten ist dieser Weg abgekürzt. Der Gesetzgeber muss dieses Bürokratiemonster, das extra für die juristische Bewältigung des Dieselskandals geschaffen wurde, nun schnell praktikabler machen. Denn neue große Verbraucherskandale werden kommen und mit ihnen das Problem, eine Vielzahl von Schadenersatzklagen zu bewältigen.

Im vorliegenden Fall ist die erzwungene Bereitschaft von VW, viele Millionen zu zahlen, auch als wichtiges Eingeständnis zu lesen: Der Konzern hat getrickst zum Schaden von Umwelt und Verbrauchern, wie so viele in der Autobranche. Selbst wenn es kein juristisch wirksames Schuldeingeständnis ist, befriedet es die enervierende Dieseldebatte im Land.

© SZ vom 29.02.2020

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