Zuliefererstreit bei VW:Kurzarbeit muss ein Mittel für den Krisenfall bleiben

Die Kurzarbeit hat Deutschland bereits große Dienste erwiesen und ist ihre Kosten wert. Aber sie darf nicht von Konzernen für Verhandlungen missbraucht werden.

Kommentar von Michael Bauchmüller

Kurzarbeit hat der deutschen Industrie und ihren Beschäftigten große Dienste erwiesen. Während der Weltwirtschaftskrise hielt sie jeden vierten Arbeiter in Lohn und Brot, während der jüngsten Finanzkrise konnte die Industrie so einen Großteil ihrer Facharbeiter halten.

Allein in der deutschen Autoindustrie war 2009 jeder siebte Kollege in Kurzarbeit. Als die Krise sich legte, standen sie alle wieder am Band. Auch deshalb erholte sich Deutschland schneller als andere von der jüngsten Krise.

Das allein rechtfertigt, dass Millionen Beschäftigte im Gegenzug auf ein bisschen Gehalt verzichten und Unternehmen auf einen kleinen Teil ihres Gewinns. Denn finanziert wird das Kurzarbeitergeld wie die Arbeitslosenversicherung: über Beiträge. Gerade deshalb aber gibt es Grenzen des Anspruchs. Zum Beispiel, wenn ein Konzern wie Volkswagen im Clinch mit seinen Zulieferern liegt.

Einmal, weil der VW-Konzern einen solchen Engpass auch anders überbrücken könnte, etwa mit Arbeitszeitkonten. Zum anderen, weil derlei Aktionen das Instrument der Kurzarbeit aushöhlen.

Sie ist eben kein Instrument, um unternehmerische Risiken aller Art abzufedern, sei es auch die gefährliche Abhängigkeit von Zulieferern. Sie dient auch nicht dazu, Firmen im Verhandlungspoker einen längeren Atem zu verschaffen. Die Kurzarbeit soll helfen, schwere Wirtschaftskrisen zu überstehen. Dabei sollte es bleiben.

© SZ vom 23.08.2016/mahu
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