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Reaktionen:Das Ergebnis spaltet die Schweizer Bürger

Aus Enttäuschung über die Niederlage gingen in Zürich, Bern und Luzern am Abend Hunderte Menschen auf die Straßen, um weiterhin für eine offene Schweiz zu werben.

Der Schweizer Daten-Blogger Martin Grandjean hat das Ergebnis der Abstimmung in einer Grafik aufgearbeitet. In einem Koordinatensystem stellt er dar, wie die Mehrheit der verschiedenen Kantone entschieden hat und setzt dazu in Relation, wie hoch ihr jeweiliger Ausländer-Anteil ist.

Grandjean kommt dabei zu folgendem Ergebnis: Alle Kantone, die mehrheitlich mit "Ja" gestimmt haben (also gegen die Masseneinwanderung) liegen mit ihrem Ausländeranteil unter dem nationalen Bevölkerungsdurchschnitt. Dabei gibt es zwei Ausnahmen: der Kanton Jura, in dem mehrheitlich mit "Nein" gestimmt wurde und das einen niedrigen Ausländeranteil hat, sowie das Tessin, das mehrheitlich mit "Ja" gestimmt hat und wo mehr Ausländer leben als im schweizerischen Durchschnitt. Der Blogger Grandjean stellt daraufhin die Frage: Hat die Angst vor einer Überfremdung mit Unwissenheit zu tun?

Sorge in der Schweizer Wirtschaft

Der Erfolg der Initiative gegen "Masseneinwanderung" löste in der schweizerischen Wirtschaft große Sorgen aus. "Wir werden jetzt in eine Phase der Unsicherheit einbiegen", sagte der Präsident des Schweizer Arbeitgeberverbands, Valentin Vogt, im Schweizer Fernsehen. Unsicherheit sei für die Wirtschaft schlimmer als schlechte Nachrichten. Die stark exportorientierte Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie fürchtet nach Angaben vom Sonntagabend beträchtliche Nachteile im Handel mit der EU. Die Politik müsse alles daran setzen, dass die Verträge mit der EU intakt blieben.

Der Vorsitzende der Linkspartei, Bernd Riexinger, bezeichnete das Referendum als schweren Fehler. "Was Europa als Letztes braucht, sind neue Mauern", sagte Riexinger Handelsblatt Online. Als drastische Konsequenz aus dem Votum forderte er die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen. "Wenn die Schweiz ihre Grenze für Menschen schließt, dann ist es nur gerecht, wenn auch das Geld draußen bleibt", sagte Riexinger dem Blatt. "Die Schweiz kann sich nicht ernsthaft auf den Standpunkt stellen, dass sie sich gegen Zuwanderer abschotten kann, und gleichzeitig das Steuerfluchtgeld aus ganz Europa mit offenen Armen empfängt", argumentierte Riexinger.