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Volksabstimmung:Schotten dürfen über ihre Unabhängigkeit abstimmen

Die schottischen Nationalisten wollen sich von Großbritannien lösen - nun dürfen sie ein entsprechendes Referendum durchführen. Der britische Premier Cameron und der schottische First Minister, Alex Salmond, einigten sich darauf, die Abstimmung 2014 abzuhalten. Die Erfolgschancen sind aber gering.

Nun ist es offiziell: Die Schotten dürfen über ihre Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich ein Referendum durchführen. Der britische Premierminister David Cameron und der Chef der schottischen Regionalregierung, Alex Salmond, unterzeichneten in Edinburgh eine entsprechende Vereinbarung, wie eine Sprecherin Camerons mitteilte.

David Cameron, Alex Salmond,

Weg frei für's Referendum: Alex Salmond, Chef der schottischen Regionalregierung, und der britische Premier David Cameron.

(Foto: AP)

Die britische Regierung lehnt eine Abspaltung Schottlands zwar ab, hatte aber bereits vor dem Treffen dem für Herbst 2014 angestrebten Referendum zugestimmt.

"Die Schotten haben eine Partei gewählt, die ein Referendum will. Ich habe das Referendum möglich gemacht und sicher gestellt, dass es legal und fair abläuft", sagte Cameron dem Guardian. Auf Twitter veröffentlichte er ein Foto der unterzeichneten Vereinbarung. "Ich glaube ein vereintes Großbritannien ist besser", schrieb er dazu.

Alex Salmond nannte die Unterzeichnung "historisch". Sie ebne den Weg für eine der wichtigsten Entscheidungen der vergangenen 100 Jahre. Salmonds Scottish National Party (SNP), die die Mehrheit im Parlament stellt, erhofft sich durch die Unabhängigkeit Schottlands vor allem wirtschaftliche Vorteile. Vor den Küste lagert der weitaus überwiegende Teil des britischen Nordseeöls.

Aus Förderung und Verarbeitung entstehen Milliarden an Steuereinnahmen, die jetzt nach London fließen. Nur ein Teil davon fließt wieder nach Schottland zurück. Schon in den 1970er Jahren hatte es eine Kampagne gegeben unter dem Motto: "It's Scotlands Oil".

Aber auch in Sachen Verteidigung fühlen sich die Schotten unfair behandelt. Die ungeliebten britischen Atom-U-Boote mit teils nuklearer Bewaffnung sind in Schottland stationiert. Für die bevölkerung ein unnötiges Sicherheitsrisiko. Auch die britische Beteiligung an Kriegen wie im Irak und in Afghanistan lehnen sie ab.

Doch ob die Mehrheit der Schotten tatsächlich für die Unabhängigkeit stimmen, ist fraglich: Jüngsten Umfragen zufolge sprechen sich nur 28 Prozent für eine Abspaltung von London aus. SNP braucht in dieser Frage jedoch eine absolute Mehrheit.

© APF/dpa/gal/anri/gba
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