Volksabstimmung:Mehrheit für Kernkraft

Die Schweizer stimmen klar gegen einen schnellen Atomausstieg. Die Volksinitiative für eine Abschaltung von drei Meilern 2017 ist gescheitert. Das Kernkraftwerk Beznau nahe der deutschen Grenze läuft damit vorerst weiter.

Von Charlotte Theile, Zürich

Die Mehrheit der Schweizer ist gegen einen raschen Ausstieg aus der Atomenergie. Dies ist das Ergebnis einer Volksabstimmung zum Atomausstieg vom Sonntag, die mit gut 54 Prozent abgelehnt wurde. Die Volksinitiative war nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima von der Grünen Partei eingereicht worden. Sozialdemokraten, Grünliberale und Umweltorganisationen unterstützten den Vorstoß. Doch das Entsetzen über das Unglück in Japan im März 2011 hielt nicht lange an. Die zunächst guten Zustimmungswerte für den "geordneten Ausstieg" aus der Kernkraft waren in den Wochen vor der Abstimmung in sich zusammengefallen.

Der Bundesrat und die konservativen und wirtschaftsliberalen Parteien des Landes hatten den Vorstoß als riskant bekämpft. Ohne die fünf schweizerischen Kernkraftwerke wäre die Stromversorgung des Landes gefährdet, hieß es. Traditionell haben Selbstversorgung und Sicherheit in der Schweiz einen hohen Stellenwert. Die AKWs produzieren etwa 40 Prozent des Stroms. Die Initiative sah vor, drei davon schon 2017 vom Netz zu nehmen. Um diese Ausfälle zu kompensieren, müsste man Kohle- und Atomstrom aus den Nachbarländern importieren, hatte der Bundesrat argumentiert.

Eines der Atomkraftwerke, das von Grünen und Verbänden oft wegen Sicherheitsmängeln in den Blick genommen wird, ist das Kraftwerk Beznau nahe der deutschen Grenze. Ein Block ist seit 1969 in Betrieb - das dienstälteste Kernkraftwerk der Welt. Im Aargau stimmten 63 Prozent gegen den Atomausstieg. Schweizweit stimmten 54,2 Prozent mit Nein. Aus Deutschland kam Kritik an der Entscheidung. Damit blieben "die ältesten Atomkraftwerke der Welt auf unbestimmte Zeit am Netz - tickende Zeitbomben, zwei davon nur wenige Kilometer Luftlinie von Baden-Württemberg entfernt", teilten die Grünen-Landesvorsitzenden in Baden-Württemberg, Sandra Detzer und Oliver Hildenbrand, mit.

Doris Leuthard, Verkehrs- und Energieministerin der Schweiz, zeigte sich dagegen erfreut über das Ergebnis, das sie als klare Zustimmung zur Energiestrategie der Regierung wertete. Leuthard sagte, auch in dieser gebe es einen schrittweisen Ausstieg, schließlich dürften keine neuen AKWs mehr gebaut werden. Die Kraftwerke würden nur so lange betrieben, wie sie sicher seien. Das erste geht 2019 vom Netz.

© SZ vom 28.11.2016
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