Völkermord Serbien will Resolution zu Srebrenica verhindern

Diese Woche jährt sich zum 20. Mal das Massaker an 8000 Muslimen während des Bosnienkriegs. Die UN wollen die Leugnung dieses Genozids verbieten. Das gefällt den Regierungen in Belgrad und Sarajewo überhaupt nicht.

Von Nadia Pantel, Tuzla

Vor dem 20. Jahrestag des Massakers von Srebrenica wehren sich serbische Politiker weiterhin dagegen, den juristischen Tatbestand des Völkermords für den Mord an 8000 bosnischen Muslimen anzuerkennen. So lehnen sowohl der Vorsitzende des Staatspräsidiums von Bosnien-Herzegowina, der serbische Bosnier Mladen Ivanić, als auch Serbiens Präsident Tomislav Nikolić eine Resolution des UN-Sicherheitsrates ab, die das Leugnen des Genozids verbieten soll. Nikolić hat Russland darum gebeten Veto einzulegen gegen die Resolution, die von Großbritannien angeregt wurde. Und Ivanić sagte, die Resolution sei "anti-serbisch", weil sie die Opfer in der serbischen Zivilbevölkerung verschweige, die in der Region Srebrenica durch bosnisch-muslimische Angriffe umkamen.

Die Kleinstadt Srebrenica liegt heute in der mehrheitlich serbischen Republika Srpska, die Teil von Bosnien und Herzegowina ist. Am 11. Juli 1995 wurden dort 8000 muslimische Bosnier von serbisch-bosnischen Soldaten ermordet. Der Ort war zuvor zur UN-Schutzzone erklärt worden und Zehntausende Flüchtlinge lebten in der bosnischen Enklave. Die Blauhelm-Soldaten leisteten jedoch keine Gegenwehr, als bosnisch-serbische Truppen unter General Ratko Mladić die Stadt einnahmen und dann begannen, die männliche Bevölkerung abzutransportieren. Die damals zuständige niederländische Einheit geriet dadurch in schwere Kritik. In einer Rede vor der UN-Vollversammlung erkannte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am 2. Juli dieses Jahres an, dass die UNO eine Mitschuld am Massaker von Srebrenica trägt. Er sagte: "Die grauenhaften Morde an muslimischen Männern und Jungen in Srebrenica werden für immer das kollektive Gewissen der internationalen Gemeinschaft belasten."