bedeckt München 12°

Völkermord an den Armeniern:Zum Sterben in die Wüste getrieben

Am 24. April 1915 begann die armenische Katastrophe. Zeitgenössische Bilder zeugen von Vertreibung, Hunger und Tod. Sie sind bis heute ein wichtiger Beweis für den Völkermord.

8 Bilder

FILE - This is the scene in Turkey in 1915 when Armenians were marched long...

Quelle: picture alliance / ASSOCIATED PR

1 / 8

Mit der Deportation der 300 führenden Persönlichkeiten der armenischen Gemeinde Konstantinopels begann am 24. April 1915 der Völkermord an den Armeniern. Die damals im Osmanischen Reich herrschenden Jungtürken warfen der christlichen Minderheit vor, mit dem Kriegsgegner Russland zu sympathisieren. Die Armenier wurden aus ihren Häusern getrieben und in langen Deportationszügen nach Syrien geschickt - das Bild aus dem Jahr 1915 zeigt einen dieser Todesmärsche. Nach verschiedenen Schätzungen überlebten bis zu 1,5 Millionen Menschen diese Züge nicht. Sie verhungerten, verdursteten oder wurden auf dem Weg ermordet. Der Schriftsteller Franz Werfel, der dem Widerstand der Armenier in seinem Roman "Die vierzig Tage des Musa Dagh" ein literarisches Denkmal setzte, bezeichnete die armenischen Todeskarawanen bereits Anfang der 1930er Jahre prophetisch als "wandernde Konzentrationslager".

-

Quelle: AFP

2 / 8

Dieses Bild aus dem Besitz des Armenischen Völkermord-Museums in Erewan zeigt die Hinrichtung von Armeniern in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, im Juni 1915. Die Türkei, die 1923 aus dem zerfallenen Osmanischen Reich hervorging, lehnt den Begriff "Völkermord" bis heute vehement ab. Zuletzt hatte der Papst den Zorn der türkischen Politik auf sich gezogen, weil er die Verbrechen an den Armeniern in einer Rede als "ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts" bezeichnet hatte. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan warf Franziskus daraufhin vor, "einen Haufen Unsinn" zu verbreiten.

-

Quelle: AFP

3 / 8

Die Türkei bestreitet nicht, dass es während des Ersten Weltkriegs zu Massakern an den Armeniern kam - das Bild zeigt osmanische Soldaten vor den Überresten eines armenischen Dorfes im heutigen Osten der Türkei. Doch von einer planmäßigen Auslöschung der armenischen Bevölkerung könne man aus Sicht Ankaras nicht sprechen - und damit auch nicht von einem Völkermord. Mehr als 20 Staaten, darunter Frankreich, Russland und Kanada, internationale Organisationen wie das Europaparlament sowie die meisten internationalen Historiker sehen das anders. Sie bewerten die Gräuel gegen die Armenier als Genozid.

Undated handout photo of Armenians in a tent camp in the Syrian desert

Quelle: Reuters

4 / 8

In Deutschland wird der Begriff "Völkermord" von offizieller Seite - noch - vermieden - wohl vor allem mit Rücksicht auf türkische Befindlichkeiten. Ein Grund ist aber möglicherweise auch die deutsche Verstrickung in die Verbrechen. Das Deutsche Reich, im Ersten Weltkrieg mit den Osmanen verbündet, wusste von dem als "Umsiedlung" verbrämten Vorgehen gegen die Armenier. Deutsche Soldaten bekleideten hohe Positionen im osmanischen Militär. Auch dieses Foto, das armenische Flüchtlinge in einem Lager in der syrischen Wüste zeigt, machte ein Deutscher: der Offizier Armin Wegner.

Undated handout photo of two boys who died of starvation in the Syrian desert

Quelle: REUTERS

5 / 8

Auch dieses Foto stammt von Armin Wegner. Seinen Angaben zufolge zeigt es zwei armenische Jungen, die in der syrischen Wüste verhungert sind. Wegner wollte mit seinen Bildern auf die Verbrechen an den Armeniern aufmerksam machen. Er versuchte, die deutsche Regierung zu einer Intervention bei ihren türkischen Verbündeten zu bewegen - vergeblich.

Undated handout photo of a family of Armenian deportees

Quelle: Reuters

6 / 8

Angesprochen auf die Gräuel gegen die Armenier antwortete der deutsche Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg: "Unser einziges Ziel ist es, die Türkei bis zum Ende des Krieges an unserer Seite zu halten, gleichgültig ob darüber Armenier zugrunde gehen oder nicht." Dieses Bild zeigt eine deportierte armenische Familie.

Undated handout photo of people foraging for grain

Quelle: Reuters

7 / 8

In einem offenen Brief bat Wegner nach dem Ende des Krieges auch den damaligen US-Präsidenten Woodrow Wilson um Hilfe für die Armenier - als "einer der wenigen Europäer, die ihren furchtbaren Untergang von seinem ersten Beginn in den blühenden Städten, auf den fruchtbaren Äckern Anatoliens bis zu der Vernichtung ihrer kläglichen Reste an den Ufern des Euphrats, in den Steinöden der mesopotamischen Wüste mit eigenen Augen erlebt" habe. Auf diesem Bild Wegners sind Vertriebene zu sehen, die mit bloßen Händen nach Essbarem graben.

Armenische Waisen

Quelle: REUTERS

8 / 8

Armenische Waisenkinder, aufgenommen von dem amerikanischen Fotografen John Elder. Zwischen 1917 und 1919 bereiste Elder die von Armerniern besiedelten Regionen des zerfallenden Osmanischen Reiches. Die Armenier selbst bezeichnen die Ereignisse der Jahre 1915 bis 1917 als "Aghet" (Katastrophe). Jedes Jahr am 24. April gedenken sie der Opfer.

© SZ.de/pamu/odg
Zur SZ-Startseite