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Vize-Kandidaten Biden und Ryan im Vergleich:14 Mal mein Freund

Amerikaner sind verrückt nach Zahlen und Statistiken. Auch beim Duell der Vize-Präsidentschaftskandidaten. Wer bekam wieviel Redezeit? Welche Ausdrücke wurden wie oft benutzt? Republikaner Ryan mag seinen Boss, Demokrat Biden mag es eher herablassend.

Amerikaner lieben es bekanntlich, ihr Leben haarklein in Statistiken und Zahlen zu quantifizieren. Beim Sex ist das so, wo sie die ersten waren, die zählten, wie oft sie Verkehr hatten. Beim Baseball ist es so, wo einfach alles festgehalten wird, was auf dem Platz passiert: von der Zahl der Bälle, die ein Spieler aufs Feld keult, bis hin zu den Anteilen, die er am Sieg seines Teams hat (wofür hoch komplizierte Formeln entwickelt wurden). Bei Debatten von Vize-Präsidentschaftskandidaten ist es nicht anders. Auch dort wird fleißig Buch geführt.

Das beschränkt sich keineswegs nur auf die Anteile, die Vizepräsident Joe Biden und sein republikanischer Herausforderer Paul Ryan jeweils an der Debatte hatten: Der Vielredner Biden kam auf 41 Minuten und exakt 32 Sekunden: Ryan hatte 40 Minuten und zwölf Sekunden. Was letztlich für die Moderatorin Martha Raddatz spricht, die es fertig brachte, beiden einigermaßen ausgewogen das Wort zu erteilen. Sie wurde denn auch von vielen Kommentatoren als die eigentliche Gewinnerin der Debatte bezeichnet.

Ein paar Zahlen sind interessant, weil sie einiges über die Dynamik der Debatte verraten. So nannte Biden seinen Kontrahenten nicht weniger als 14 Mal "mein Freund" - wobei von Anfang an klar war, dass das leicht altväterlich herablassend gemeint war: Biden kann Ryan nicht ausstehen. Und das ließ er ihn und die Zuschauer nicht zuletzt durch diese Wortwahl spüren. (Noch einen weiteren Politiker zeichnete Biden mit dem Ehrentitel "mein Freund" aus: den israelischen Premierminister Netanjahu. Von beiden ist bekannt, dass sie einander herzlich abgeneigt sind.)

28 Mal bemühte Biden das Wörtchen "Tatsache", was nicht unbedingt dafür spricht, dass er sich immer auf dem Boden derselben bewegte. Ryan benutzte das Wort nur einmal. Umso häufiger sprach er von seinem Boss: 21 Mal erwähnte er Mitt Romney, um seine Nähe zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner zu demonstrieren. Biden berief sich nur einmal auf Obama - ein Dutzend Mal sprach er dafür ehrerbietig von "the President". Auf ein Wort hatte Biden übrigens das Monopol: Dreimal kanzelte er Äußerungen Ryans als "malarky" ab - als Quatsch.