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Visum für Öl-Milliardär:Chodorkowskij kann zu seiner Familie in die Schweiz

Die Zeitungen spekulieren bereits, wie viel Geld er auf Schweizer Nummernkonten liegen hat: Der freigelassene russische Kremlgegner Chodorkowskij kann in die Schweiz reisen, das Visum dafür wurde jetzt bewilligt. Dort lebt auch seine Familie.

Der russische Kremlgegner Michail Chodorkowskij kann in die Schweiz reisen, wo seine Frau und seine zwei Söhne leben. Das dafür erforderliche Visum sei bewilligt worden, sagte eine Sprecherin des Schweizer Außenministeriums am Montag. Aus Gründen des Daten- und Persönlichkeitsschutzes werde es allerdings keine weiteren Angaben zur Reise Chodorkowskijs geben.

Dessen Sprecher David Krikler sagte, man sei "sehr dankbar" für den positiven Bescheid der Schweiz. Nach Deutschland sei die Schweiz nun das zweite Schengen-Land, in dem Chodorkowskij sich frei bewegen könne.

Chodorkowskij hatte nach zehn Jahren Haft am 20. Dezember vorzeitig das Straflager in Nordrussland verlassen dürfen. Daraufhin war er direkt nach Berlin gereist.

Der ehemalige Öl-Milliardär hatte erklärt, er wolle im Januar in die Schweiz reisen. Seine Frau Inna und die Zwillingssöhne Gleb und Ilja leben in der Schweiz; die Söhne gehen dort zur Schule. Die Tochter Anastasia lebt in Moskau.

In der Zeit der Inhaftierung sagte Chodorkowskij einmal, seine Familie sei sein "größter Schatz", dies hätten die vielen Jahre der Haft, die große Distanz und der "Stacheldraht" nicht verhindern können. Gegenüber den vielen einsamen Menschen in Haft habe er sich so gefühlt, als habe er "im Lotto des Schicksals das große Los gezogen".

"Mindestens 200 Millionen Schweizer Franken"

Chodorkowskij , der als Ölunternehmer zum reichsten Mann Russlands aufgestiegen war, hat Schweizer Medien zufolge einen Teil seines Vermögens auf Schweizer Konten. In der Sonntagszeitung ist von "mindestens 200 Millionen Schweizer Franken" (etwa 166 Millionen Euro) die Rede.

Der frühere Chef des inzwischen zerschlagenen Ölkonzerns Yukos war 2003 festgenommen und zwei Jahre später wegen Betrugs und Steuerhinterziehung verurteilt worden. Ihm drohten in Russland noch weitere Verfahren, so dass ein Ende seiner Haft nicht absehbar war. Die Gerichtsverfahren gegen ihn waren vom Westen als politisch motiviert kritisiert worden. Noch immer sind ehemalige Geschäftspartner Chodorkowskijs in Russland inhaftiert.

© Süddeutsche.de/dpa/segi/jasch
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