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Virus als Wahlkampf-Thema in USA:Texanische Labor-Mitarbeiterin in Selbstquarantäne auf Kreuzfahrtschiff

Die Berufung von Ron Klain wird Druck von CDC-Chef Thomas Frieden nehmen, dessen Rücktritt bereits einige Republikaner fordern. Alle Informationen rund um die Epidemie werden beim neuen Ebola-Zar zusammenlaufen. Seine direkten Vorgesetzten sind Obamas Sicherheitsberaterin Susan Rice und Lisa Monaco, die zuständige Beraterin für Heimatschutz.

Unterdessen gibt es keine Anzeichen, dass in den USA die Furcht vor einer Ausbreitung des Virus nachlassen würde. Während nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation bisher mehr als 4500 Menschen an Ebola gestorben sind, hat es in den USA bislang nur drei Fälle von Infizierungen gegeben - alle in Dallas. Am Freitag erregte die Mitteilung des US-Außenministeriums, an Bord eines Kreuzfahrtschiffes befinde sich eine Person, die dem Virus ausgesetzt gewesen sein könnte, Unruhe.

Die Frau habe mit Proben von Körperflüssigkeiten eines Patienten in Texas zu tun gehabt, aber nicht mit ihm selbst, erklärte das Ministerium. Die Person sei zwar ohne Symptome, habe sich aber auf dem Schiff zusammen mit einer Begleitperson in ihrer Kabine freiwillig isoliert. Die Kreuzfahrt-Reederei Carnival erklärte, sie sei vom US-Außenministerium darüber informiert worden. Die Labor-Mitarbeiterin aus Texas befinde sich auf der Carnival Magic, die Platz für 3690 Passagiere und 1367 Crew-Mitglieder bietet. Von ihr ginge aber nur ein "sehr geringes Risiko" aus.

Neben der Klinikmitarbeiterin auf dem Kreuzfahrtschiff wurde zudem bekannt, dass eine der beiden mit Ebola infizierten Krankenschwestern schon länger als bislang bekannt Symptome einer Ansteckung zeigte. Dennoch war sie noch von Texas nach Ohio und wieder zurück geflogen. Zahlreiche Kontaktpersonen werden den Behörden zufolge engmaschig überwacht. Eine Person in Ohio sei in Quarantäne; zudem blieben einige Schulen in Texas und Ohio geschlossen.

Das Weiße Haus spricht offiziell nicht von "Ebola-Zar"

Die beiden Krankenschwestern hatten sich bei der Betreuung eines Ebola-Patienten angesteckt. Es war der erste in den USA diagnostizierte Fall. Die Klinik räumte unterdessen Fehler bei der Diagnose und der Information der Öffentlichkeit ein. Vor der Einweisung von Thomas Eric Duncan, der an der Krankheit starb, habe es kein spezielles Ebola-Training für die Mitarbeiter gegeben, sagte Chefarzt Daniel Varga. Der Patient sei aber nach den Richtlinien der Seuchenbekämpfungsbehörde CDC behandelt worden.

Von nun an ist es die Aufgabe von Ron Klain, dafür zu sorgen, dass sich so etwas künftig nicht mehr wiederholt. Den Titel "Ebola-Zar" will das Weiße Haus zumindest offiziell nicht übernehmen. Sprecher Josh Earnest sagte in seiner täglichen Pressekonferenz, intern werde Ron Klain "Koordinator für die Reaktionen auf Ebola" genannt: "Aber natürlich können Sie ihn so bezeichnen, wie Sie wollen." Zu diesem Zeitpunkt war bereits überall vom Zaren zu lesen. Den Washington-Kenner Klain wird dies weder verwundert noch beschäftigt haben: Auf ihn wartet eine größere Aufgabe.

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© SZ.de/mit Material von Reuters/mest
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