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US-Demokraten:Ein Skandal jagt in Virginia den nächsten

Ralph Northam, Mark Herring, Justin Farifax

Wegen dieser drei Politiker stecken die Demokraten in Virginia in einer Krise. Von links nach rechts: Justizminister Herring, Gouverneur Northam und Vize-Gouverneur Fairfax.

(Foto: Steve Helber/AP)
  • In nur sechs Tagen haben sich die drei ranghöchsten Politiker in Virginia in Skandale verstrickt - alle sind Demokraten.
  • Gouverneur Northam und Justizminister Herring wird Rassismus vorgeworfen, dem Vize-Gouverneur Fairfax ein sexueller Übergriff.
  • Die Skandale sind für die Demokraten verheerend, da im Herbst in dem Bundesstaat gewählt wird.

Die US-Demokraten in Virginia werden gleich dreimal von der Vergangenheit ihrer Spitzenpolitiker heimgesucht. Gouverneur Ralph Northam und Justizminister Max Herring haben zugegeben, als Studenten rassistische Gesichtsbemalung ( "Blackfacing") getragen zu haben. Vize-Gouverneur Justin Fairfax wird ein schwerer sexueller Übergriff vorgeworfen. Für die Demokraten, die bis vor wenigen Tagen noch optimistisch auf die Senatswahlen in Virginia im Herbst blickten, sind die Skandale verheerend.

Aufgekommen ist der erste Fall am Freitag, mit einem über 30 Jahre alten Foto aus einem Jahrbuch. Darauf zu sehen sind zwei Menschen; der eine hat sein Gesicht schwarz überschminkt. Das sogenannte "Blackfacing" wird als rassistisch eingestuft. Grinsend steht er neben jemandem, der eine weiße Kutte des Ku-Klux-Klans trägt, jenes Geheimbundes, der in den Südstaaten zahlreiche Afroamerikaner ermordete. Über dem Foto steht der Name des demokratischen Gouverneurs von Virginia: Ralph Northam.

Jahrbuch-Foto Ralph Northam

Gouverneur Northam bestreitet, dass er eine der beiden Personen ist, die auf diesem alten Jahrbuchfoto mit Blackface und KKK-Kutte posieren.

(Foto: picture alliance/dpa)

Er sei entweder der Mensch mit dem schwarz bemalten Gesicht, oder der im Ku-Klux-Klan-Kostüm, beschuldigte ihn die konservative US-Nachrichtenseite Big League Politics, die das Foto veröffentlichte. Northam entschuldigte sich sofort, änderte aber kurz darauf seine Geschichte völlig. Er sei auf dem Foto nicht zu sehen, weder mit Blackface noch mit weißer Klan-Kutte, verkündete er auf einer Pressekonferenz am Samstag. Er habe sich aber bei einer anderen Gelegenheit 1984 als Michael Jackson verkleidet und schwarze Schuhcreme ins Gesicht geschmiert. Er bedauere, damals das "schädliche Erbe einer solchen Tat" nicht erkannt zu haben. Die Pressekonferenz verstärkte die Rufe nach seinem Rücktritt, vor allem aus der eigenen Partei.

Die Demokraten in Virginia sahen sich bereits nach einem Nachfolger für Northam um. Die natürliche Wahl wäre der Vize-Gouverneur Justin Fairfax gewesen: Er ist Demokrat, jung und dunkelhäutig. Doch schon zwei Tage später war auch Fairfax in einen Skandal verwickelt. Eine Frau warf ihm vor, sie 2004 gezwungen zu haben, ihn oral zu befriedigen. Fairfax stritt die Vorwürfe ab.

Die Partei war noch dabei, diese Nachricht zu verarbeiten, da kam am Mittwoch die dritte: Der Justizminister Max Herring gab ebenfalls "Blackfacing" zu. Als 19-jähriger Student habe er sich für eine Party als der Rapper Kurtis Blow verkleidet, mit brauner Schminke und einer Perücke. In einem Statement betonte Herring, die beschämende Erinnerung habe ihn lange heimgesucht und er entschuldigte sich für den Schmerz, den er mit dieser Offenlegung verursache.

Würde Gouverneur Northam zurücktreten, wäre sein Vize Fairfax sein Nachfolger, Justizminister Herring ist der dritte in der Reihe. Der nächst-ranghöchste Politiker ist der Republikaner Kirk Cox, der Sprecher des Abgeordnetenhauses in Virginia.

Für die Demokraten in Virginia sind Vorwürfe besonders gefährlich

Die Demokraten sehen sich als die Partei, die an vorderster Front gegen Rassismus und für Frauenrechte kämpft. Sie sind auf die Stimmen der Frauen und der Minderheiten in Virginia angewiesen, und ihre Wähler werden ihnen rassistische Jugendsünden und Vergewaltigungs-Vorwürfe nicht so schnell verzeihen.

In Virginia gilt das noch mal besonders. Seit Barack Obama 2008 zum Präsidenten gewählt wurde, bewegte sich der Bundesstaat langsam aber stetig nach links. Bei den vergangenen drei Präsidentschaftswahlen wurde demokratisch gewählt, auch die letzten beiden Gouverneure waren Demokraten. Die Demokraten sehen Virginia gerne als progressiven Staat, der unter den anderen, vor allem konservativen Südstaaten, hervorsticht.

Dass rassistische Gruppen auch hier noch eine große Rolle spielen, wurde vor allem im August 2017 offensichtlich, als Neonazis, Mitglieder des Ku-Klux-Klans und andere Rechtsextremisten mit Fackeln durch Charlottesville marschierten. Rassismus ist in Virginia ein bestimmendes Wahlkampfthema. Die nächsten Wahlen für das Abgeordnetenhaus und den Senat des Bundesstaates sind im November.

In beiden Kammern haben die Republikaner bisher einen Sitz mehr. Bis Freitag hatten die Demokraten noch die Hoffnung, im Herbst die Kontrolle über das Ober- und Unterhaus zu gewinnen. Angesichts der Skandale der letzten Tage ist dieser Optimismus ordentlich gedämpft worden.

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SZ-Magazin

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