Verwundete im Ersten Weltkrieg:Auf dem Notgleis ins Lazarett

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Ausdrücklich bedauert Krecke, nicht selbst an die Front geschickt zu werden - er wird zum Reservelazarett München B eingeteilt, damals in der Schule am Marsplatz untergebracht, außerdem wird er fachärztlicher Beirat für Chirurgie beim I Bayerischen Armeekommando.

Als solcher reist er mit seinem Kollegen Fritz Lange durch die bayerischen Lazarette zu Inspektionen und Beratungen - eine ungewöhnliche Kombination, denn Lange ist Orthopäde, und die sind nicht gerade die besten Freunde der Chirurgen. Aber die beiden arbeiten gut zusammen und erreichen die Einrichtung von Sonderlazaretten gleich hinter der Front. Dort werden vor allem Oberschenkel-Schussfrakturen von erfahrenen Fachärzten versorgt, mit der Maßgabe, dass die Patienten erst dann in die Heimatlazarette verlegt werden, wenn der Knochen fest ist.

Die Kriegsbegeisterung hält auch bei Krecke nicht lange an. 1917 notiert er in seinem Tagebuch: "Das dritte Jahr des Weltkriegs ist bald herum. Man ist bald soweit, die Kriegsverhältnisse als die normalen anzusehen. Die Schwierigkeiten werden immer größer, aber man gewöhnt sich an die mannigfachen Entbehrungen nach und nach." Nach dem Krieg führt Krecke seine Chirurgische Privatklinik fort, zuletzt in der Hubertusstraße in Nymphenburg. Er stirbt im Jahr 1932.

Schrapnell im Gesäß

Reservelazarette - das waren die Militärkrankenhäuser in der Heimat, in die Verwundete nach der Erstversorgung an der Front und in der Etappe gebracht wurden, zu Rehabilitation, aber auch zu weiterer Therapie.

In der Münchner Medizinischen Wochenschrift wurde 1914 der Weg eines solchen Verwundeten geschildert: "Am 20.08.1914 wurde Musketier L durch einen Schrapnellschuss in die linke Gesäßhälfte verletzt. Er wurde von einem Kameraden mittels Verbandpäckchen verbunden und später in ein Feldlazarett gebracht. Von dort wurde er nach neun Stunden in den Lazarettzug gebracht, wo ihm ein neuer Verband angelegt wurde. Am 23.08. 1914 gelangte der Patient in das Reservelazarett B München."

Bereits Mitte August, zwei Wochen nach Kriegsbeginn, waren die ersten Verwundeten am Münchner Hauptbahnhof angekommen. Die für Soldaten reservierten Betten in den Krankenhäusern und Lazaretten waren rasch überfüllt. Um die Kranken schnell zu den verschiedenen Versorgungsstationen zu bringen, wurden ehemalige Sommerwagen der Trambahn mit Tragbahrenfächern ausgerüstet. Auf provisorischen Notgleisen steuerten die Straßenbahnen die Lazarette an.

Der Musketier L. kam in die Marsschule, das war Lazarett B. Dort standen, mit verschiedenen Außenstellen, 1218 Betten zur Verfügung. Das größte Lazarett war das mit dem Buchstaben A, das alte Militärkrankenhaus in der Lazarettstraße, wo heute das Herzzentrum zu Hause ist. Dort gab es, inklusive der "Barackenabteilung" Oberwiesenfeld und einer Leichtkrankenabteilung in der Lothstraße, 1397 Betten.

Das Lazarett C war in der Schulstraße, 255 Betten. Vornehmlich mit Kiefer- und Gesichtschirurgie beschäftigten sich die Ärzte im Lazarett D - dafür waren im Hauptzollamt an der Landsberger Straße einige Räume freigeräumt worden, genug für 875 Betten. Angegliedert war das Königliche Zahnärztliche Institut in der Pettenkoferstraße (78 Betten).

Weitere Verletztenstationen waren über die Stadt verteilt, eine besondere Stellung nahm das Reservelazarett L in der Ridlerschule ein - dort war die Psychiatrie untergebracht, die sich zum ersten Mal mit Kriegsfolgen zu beschäftigen hatte: Viele Soldaten litten unter dem, was heute als "Posttraumatische Belastungsstörung" bekannt ist, die sich durch Alpträume, Schlaflosigkeit und Depression bemerkbar machte, auch durch unbeeinflussbares Zittern der Hände.

Vor hundert Jahren jedoch wurden diese Patienten als Simulanten angesehen, als Drückeberger. Entsprechend wurden sie behandelt: Mit Elektroschocks, Dauerbädern, Scheinoperationen, sogar Schein-Exekutionen sollte ihr Wille gebrochen werden, damit sie wieder an die Front geschickt werden konnten.

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