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Verteidigungsminister Guttenberg:Angst um den Allerwertesten

Guttenberg und die Kundus-Affäre: Ein unerfahrener Minister hat den falsch urteilenden General Schneiderhan zunächst bedenkenlos gestützt - und dann überhastet gestürzt.

Kurt Kister

Es gibt Wörter in der deutschen Sprache, die sind eindeutig. Wenn einer etwas unterschlägt, dann tut er das in vollem Bewusstsein und mit Absicht. Gutwilliges Unterschlagen gibt es nicht.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat Ende November 2009 Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan sowie Staatssekretär Peter Wichert Knall auf Fall entlassen, weil er sich von ihnen in der Kundus-Affäre unvollständig informiert fühlte.

Er benutzte im Fernsehen starke Begriffe: Man habe ihm Dokumente vorenthalten, ja sie unterschlagen.

Ein unerfahrener Minister und ein falsch urteilender General

Es steht außer Zweifel, dass Schneiderhan Fehler gemacht hat. Der gravierendste war seine Fehleinschätzung der Bombenwürfe von Kundus als militärisch angemessen. Und tatsächlich erhielt Guttenberg wohl das eine oder andere Papier nicht.

Aber: Guttenberg hatte so oder so genügend Dokumente, unter anderem den Isaf-Bericht, aus denen er selbst hätte schließen können, dass es in Kundus auch um die gezielte Tötung von Menschen ging, dabei aber Dutzende Zivilisten ums Leben kamen.

Ein unerfahrener Minister hat einen falsch urteilenden General zunächst ohne Nachdenken gestützt und dann überhastet gestürzt.

Guttenberg wollte einen starken Eindruck machen, und um dieses Eindrucks willen warf er dem General Unterschlagung hinterher, die er, nachdem es jeder gehört hatte, wieder zurücknahm.

Weil Guttenberg nun fürchtet, dass Schneiderhan vor dem Untersuchungsausschuss unangenehme Wahrheiten oder wenigstens nachteilige Einschätzungen aussprechen könnte, wedelt er jetzt mit dem weißen Taschentuch: War alles nicht so gemeint, das mit dem Vorsatz.

In der Truppe würde man sagen: Dem geht der A... auf Grundeis.

© SZ vom 10.03.2010/jobr/woja
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