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Verschleppte Mädchen in Nigeria:Amerikaner und Briten bieten Hilfe an

Frauen demonstrieren in Nigeria für die von Boko Haram entführten Schulmädchen

Frauen demonstrieren in der nigerianischen Stadt Lagos für die Freilassung der entführten Mädchen.

(Foto: Akintunde Akinleye/Reuters)

Mehr als 200 nigerianische Mädchen sind seit Wochen in den Händen islamistischer Boko-Haram-Terroristen. Sie sollen verkauft oder zwangsverheiratet werden. Jetzt bieten Amerikaner und Briten Hilfe an. Moralische Unterstützung kommt aus Deutschland.

  • Hilfe aus dem Ausland: Großbritannien und die USA wollen Nigeria bei der Suche nach mehr als 200 verschleppten Schülerinnen zu Hilfe kommen. Die Andeutungen bleiben jedoch vage. Die nigerianische Regierung macht den Eindruck, als könne sie Unterstützung gut gebrauchen.
  • Bekennervideo aufgetaucht: Die islamistische Sekte Boko Haram hat sich zu der Tat bekannt. Ihr Gründer droht, die Mädchen zu verkaufen.
  • Unterstützung aus Deutschland: Eine in Bonn lebende Nigerianerin hat eine Online-Petition zugunsten der Entführten gestartet.

"Praktische Hilfe" und Geheimdienstinformationen - aber keine Truppen

21 Tage sind vergangen, seit Boko-Haram-Terroristen 200 Mädchen aus einer Schule im Ort Chibok im Bundesstaat Borno im Nordosten Nigerias entführten. Die nigerianische Regierung sucht erfolglos nach ihnen, die internationale Aufmerksamkeit wächst. Jetzt haben sich Großbritannien und die USA eingeschaltet. Der britische Außenminister William Hague sagte, seine Regierung biete "praktische Hilfe" an. Wie genau diese Hilfe aussehen soll, sagte er jedoch nicht.

Ähnlich vorsichtig äußern sich die USA: Man werde Geheimdienstinformationen mit Nigeria teilen und auch anderweitig helfen, hieß es aus Washington. Präsident Barack Obama habe sich mehrfach informieren lassen und sei in "regelmäßigem Austausch" mit der nigerianischen Regierung.

Die Willensbekundungen beider Regierungen folgen auf eine vermehrte Berichterstattung in amerikanischen Medien. "Warum die Welt eingreifen sollte", schreibt etwa der TV-Sender CNN auf seiner Website, nachdem ein Bekennervideo der Terroristengruppe Boko Haram aufgetaucht ist.

Einem unbestätigten Bericht der Website Sahara Reporters zufolge soll Boko Haram am Dienstag weitere acht Mädchen aus einem Dorf nahe Gwoza im Bundesstaat Borno verschleppt haben. Gleichzeitig hätten Islamisten nahe der Grenze zu Kamerun mehrere Kontrollstellen von Polizei und Militär angegriffen.

"Ich werde weiter Menschen entführen und verkaufen"

Boko Haram

Boko-Haram-Anführer Abubakar Shekau im Bekennervideo.

(Foto: AFP)

Lange war über eine Beteiligung der islamistischen Sekte Boko Haram nur spekuliert worden. Nun liegt ein Bekennervideo des Anführers Abubakar Shekau vor, in dem er beinahe hämisch verkündet, was er mit den entführten Mädchen vorhat: "Ich werde sie alle verkaufen", erklärt er. "Es gibt einen Markt für sie." Mädchen seien als Sklavinnen geboren und bereits im Alter von neun Jahren "reif genug", um sie zu verkaufen. "Sklaverei ist in meiner Religion erlaubt, und ich werde weiter Menschen entführen und zu Sklaven machen."

Die Aussagen passen zur Ideologie von Boko Haram. Die 2002 gegründete Gruppe lehnt jede Form von westlicher Bildung ab und kämpft für die Errichtung eines islamistischen Staates im Norden Nigerias. Boko Haram - der Name kann mit "Westliche Bildung ist Sünde" übersetzt werden - wird mit dem Terrornetzwerk al-Qaida in Verbindung gebracht. Die USA erklärten die Gruppe 2013 offiziell zur Terrororganisation.

Ein Sprecher der UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay nannte Shekaus Videobotschaft "dreist und schamlos." Die Bundesregierung hat die Entführung der Schülerinnen als "menschenverachtend" verurteilt.

Boko Haram soll für Tausende Tote in Nigeria verantwortlich sein. Dabei hat Anführer Shekau offenbar seine Taktik geändert. Entführungen seien lange eher selten gewesen, schreiben Terrorismus-Experten der schottischen St.-Andrews-Universität. "Dass jetzt Frauen verschleppt werden, ist eine direkte Reaktion auf eine ähnliche Taktik der nigerianischen Regierung." Die habe 2012 begonnen, die Ehefrauen von Boko-Haram-Mitgliedern zu verhaften, darunter auch die Frau von Shekau. Der Anführer warnte kurz darauf in einer Videobotschaft: "Jetzt wartet nur ab, was mit euren eigenen Frauen passieren wird."

Die Details der Entführung

In der Nacht zum 14. April waren Boko-Haram-Terroristen mit Lastwagen auf das Gelände der weiterführenden Schule gefahren. Sie zwangen die Mädchen, die in einem Haus auf dem Gelände untergebracht waren, mit ihnen zu kommen. Nach Angaben der Polizei gelang es einigen Mädchen zu fliehen. Wie viele genau in Gefangenschaft sind, ist unklar. Verschiedene Zählungen kommen auf bis zu 276 Vermisste.

Örtliche Medien berichteten später, die Schülerinnen seien nach ihrer Zwangsverheiratung mit Islamisten in die Nachbarländer Kamerun und Tschad verschleppt worden. Auch die US-Regierung gehe nicht davon aus, dass sie sich noch in Nigeria befänden, schreiben amerikanische Medien. Suchtrupps der nigerianischen Armee waren den Tätern angeblich auf der Spur - doch ihre Mission blieb erfolglos.

Präsidentengattin spricht von vorgetäuschter Entführung

Nigerias Präsident Goodluck Jonathan steht seit längerem in der Kritik. Direkt nach der Entführung hielt er das "Problem Boko Haram" noch für "temporär". Erst eine Woche später kündigte er an, alles zu tun, um die Schülerinnen zu finden.

Seine Ehefrau Patience Jonathan machte sich unbeliebt, weil sie Frauenrechtlerinnen vorwarf, selbst zu Boko Haram zu gehören und die Entführung nur vorgetäuscht zu haben. Das berichtete die Aktivistin Saratu Angus Ndirpaya, die sich öffentlich für die Freilassung der Mädchen einsetzt.

Ndirpaya sagte, sie sei nach einem Treffen mit Patience Jonathan gemeinsam mit einer anderen Frau kurzzeitig festgenommen worden - auf Geheiß der Präsidentengattin. Man habe ihr vorgeworfen, die Regierung zu verunglimpfen.

Unterstützung aus Deutschland

Die in Bonn lebende Nigerianerin Ify Elueze hat mit einer Online-Petition knapp 280.000 Unterschriften gesammelt. Die Unterzeichner drücken ihre Solidarität mit den entführten Schülerinnen aus und fordern Präsident Jonathan dazu auf, "alles zu tun für die sichere Rückkehr und dafür zu sorgen, dass unsere Schulen in Zukunft geschützt sind".

Mit Material von Reuters, dpa und AFP