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Verschärfte Grenzkontrollen:Tausende Syrer stranden an Grenze zur Türkei

Die Syrer fliehen zu Tausenden vor der Gewalt in ihrem Land. An den Grenzen zu den Nachbarländern wird die Situation dramatisch. Wegen der schnell wachsenden Flüchtlingszahlen will Ankara Medienberichten zufolge nun sogar Hilfesuchende abweisen.

Massenweise fliehen die Syrer vor der Gewalt in ihrem Land. Das stellt vor allem die Nachbarländer vor ernste Probleme. Besonders dramatisch sieht es an der Grenze zur Türkei aus. Hier sind türkischen Angaben zufolge etwa 7000 syrische Flüchtlinge gestrandet. Rund 5000 Flüchtlinge warteten auf der syrischen Seite des Grenzübergangs Oncupinar, 2000 weitere am Übergang Reyhanli, sagte ein türkischer Diplomat.

Syrische Kinder am Grenzübergang Bab Al-Salameh hoffen auf einen Platz in einem Flüchtlingslager in der Türkei. 

(Foto: AP)

Wegen der schnell wachsenden Flüchtlingszahl wolle die Türkei nun nicht mehr alle Syrer aufnehmen, berichteten türkische Medien. Ein Regierungsvertreter bestätigte die Berichte auf Anfrage, ohne Details zu der neuen Politik zu nennen. Türkische Kommentatoren sehen in der Entscheidung einen möglichen Schritt auf dem Weg zur Einrichtung einer Schutzzone auf syrischer Seite der Grenze.

Kürzlich hatte die Regierung in Ankara erklärt, die Türkei könne nicht mehr als 100.000 Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen, und sich für die Errichtung einer Pufferzone auf syrischem Boden ausgesprochen. Bislang flüchteten bereits 80.000 Syrer in die Türkei. Sie leben in Notlagern entlang der Grenze, die dem Ansturm jedoch kaum gewachsen sind. Derzeit errichtet die Türkei dem Diplomaten zufolge in den Provinzen Gaziantep und Hatay zwei weitere Camps mit 10.000 Plätzen.

Außerdem führen strenge Sicherheitskontrollen zu Verzögerungen. Hintergrund der verschärften Kontrollen ist die Sorge vor kurdischen Rebellen, die im Südosten des Landes für Autonomie kämpfen. Die türkischen Behörden fürchten, dass Kämpfer über Syrien ins Land gelangen könnten. Gleichwohl würden die wartenden Flüchtlinge per Katastrophenhilfe versorgt, teilte ein Regierungsvertreter mit.

Auch an der Grenze zum Libanon spitzt sich die Lage zu: Ein libanesischer Grenzbeamter sagte, binnen weniger Stunden hätten mehr als 6000 Menschen die Grenze überquert. Die meisten Flüchtlinge stammten aus den südlichen Vororten der syrischen Hauptstadt. Bei den Vereinten Nationen im Libanon haben sich insgesamt schon mehr als 51.000 Syrer als Flüchtlinge registrieren lassen.

© Süddeutsche.de/AFP/dapd/dpa/gal/rela

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