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Verkehrspolitik:Ramsauer träumt vom Transrapid

Verkehrsminister Ramsauer will sein Amt offenbar nutzen, den Münchner Transrapid wieder ins Gespräch zu bringen. Die Opposition witzelt bereits.

Der neue Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat mit dem Projekt Transrapid offenbar noch nicht abgeschlossen. In einem Interview mit der im nördlichen Chiemgau erscheinenden Regionalzeitung Trostberger Tagblatt gab Ramsauer wenige Tage vor seiner Vereidigung im Bundestag den Transrapid-Befürwortern neue Hoffnung.

Peter Ramsauer, ddp

"Das letzte Wort ist nicht gesprochen": Verkehrsminister Peter Ramsauer liebäugelt mit einer Wiederbelebung des Transrapid-Projekts.

(Foto: Foto: ddp)

Ramsauer sagte dem Blatt bereits am 26. Oktober, er habe "vor zwei Jahren bei der Beerdigung des Transrapid schon gesagt, dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen ist".

In Bayern sollte der Transrapid ursprünglich die Landeshauptstadt München mit den Franz-Josef-Strauß-Flughafen verbinden. Das Projekt galt als Lieblingsvorhaben des damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber.

Sein Nachfolger im Amt, Günther Beckstein hat es dann im März 2008 gemeinsam mit Bundesverkehrsminister Tiefensee (SPD) aus Kostengründen beerdigt. Statt der geplanten 1,85 Milliarden hätte der Bau des Transrapid laut Bahn und Industrie etwa 3,4 Milliarden Euro gekostet. Ramsauer kritisierte damals das Aus für den Transrapid als "Hals-über-Kopf-Entscheidung".

Florian Pronold, für Verkehr zuständiger neuer stellvertretender Fraktionschef der SPD, sagte am Rande der Bundestagsdebatte über die künftige Verkehrspolitik in Deutschland, Ramsauers Gedankenspiel sei ein weiterer Beleg für den unglücklichen Beginn von Ramsauers Amtszeit. "Ein Ramsauer ist die Maßeinheit für den Weg von einem Fettnäpfchen zum anderen", sagte Pronold zu sueddeutsche.de.

Die Magnetschwebetechnik sei zwar eine interessante Technologie, aber eben nicht finanzierbar. Zumal dann nicht, wenn die schwarz-gelbe Koalition mit ihrer Steuersenkungsplänen automatisch große Löcher in den Verkehrshaushalt des Bundes reißen werde, sagte Pronold.

Der Grünen-Verkehrsexperte Winfried Herrmann sagte sueddeutsche.de, Ramsauer werde sich mit seiner "Dampfplauderei in der Verkehrspolitik noch die Zähne ausbeißen". Projekte wie der Transrapid seien in Deutschland nicht umsetzbar und auch nicht mehrheitsfähig.

Ramsauer hatte in den vergangenen Tagen zunächst eine Pkw-Maut in Aussicht gestellt und kurz danach ein Programm für den Aufbau West gefordert. Damit provozierte Ramsauer heftige Kritik aus den eigenen Reihen.

Sein Vorgänger Wolfgang Tiefensee befürchtet, "dass ein Aufbau Bayern gemeint ist, wenn Herr Ramsauer von Aufbau West spricht". In dem Interview mit dem Trostberger Tagblatt hatte Ramsauer angekündigt, dass er "mit aller Rigorosität und Entschlossenheit" darauf achten werde, dass "möglichst viel Geld in baureife Projekte in Bayern gesteckt wird".

Ramsauer ist auf jeden Fall nicht der Einzige, der im Freistaat noch immer vom Bau des Transrapid träumt. Auch Edmund Stoiber hängt noch an seinem einstigen Vorzeigeprojekt. Erst vor wenigen Tagen sagte er: Mit ihm als Ministerpräsidenten und seinem einstigen Wirtschaftsminister Otto Wiesheu hätte es den Transrapid gegeben - auf jeden Fall, betonte er, und übte damit nochmals ordentlich Kritik an seinem Amtsnachfolger. Er sei sich sicher, dass man die vertane Chance in ein paar Jahren noch bereuen werde. Vielleicht muss man ja doch nichts bereuen - dank dem neuen Bundesverkehrsminister Ramsauer.

© sueddeutsche.de/woja
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