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Verhandlungen in Simbabwe:Mugabes Manöver

Simbabwes Staatschef Mugabe will die Macht offenbar mit einer Splittergruppe der Oppositon sichern - und Konkurrent Tsvangirai ausbooten. Vermittler Mbeki dementiert die Einigung.

Der simbabwische Staatschef Robert Mugabe hat sich offenbar mit einer Splitterfraktion der Oppositionspartei Bewegung für einen Demokratischen Wandel (MDC) auf eine Regierungsbildung geeinigt. Nach Angaben eines Unterhändlers der Mugabe-Partei ZANU-PF wurde ein entsprechendes Abkommen mit der MDC-Fraktion von Arthur Mutambara am Dienstag unterzeichnet.

Simbabwes Staatschef Robert Mugabe will ein Abkommen mit einer Splittergruppe der Oppositionspartei MDC unterzeichnet haben.

(Foto: Foto: dpa)

Der als Vermittler eingesetzte südafrikanische Präsident Thabo Mbeki wollte dies am frühen Mittwochmorgen jedoch nicht bestätigen. Mbeki sagte lediglich, dass die seit Sonntag laufenden Verhandlungen unterbrochen worden seien, um Oppositionsführer Morgan Tsvangirai eine Bedenkzeit einzuräumen. Tsvangirai führt die deutlich größere MDC an.

Die Unterzeichnung eines Abkommens zwischen Mugabe und der Opposition sei nicht zustande gekommen. "Wir haben alle Elemente abgehandelt, bei denen sich Mugabe und Mutambara einig sind", sagte Mbeki nach den Gesprächen in der simbabwischen Hauptstadt Harare. Es gebe aber eine Meinungsverschiedenheit über einen Punkt, bei dem sich Tsvangirai etwas Bedenkzeit erbeten habe. Deshalb seien die Verhandlungen vertagt worden.

Vermittler bleibt zuversichtlich

Mbeki zeigte sich weiter zuversichtlich, dass die Gespräche über eine Regierung der nationalen Einheit erfolgreich sein werden. Tsvangirai hatte am Dienstagabend das Hotel in Harare, wo die Verhandlungen seit drei Tagen laufen, vorzeitig verlassen. Vertreter der MDC konnten für eine Stellungnahme zu der angeblichen Einigung zwischen Mugabe und Mutambara zunächst nicht erreicht werden.

Regierung und Opposition in Simbabwe hatten am 21. Juli Verhandlungen über eine Aufteilung der Macht unter Vermittlung Südafrikas zugestimmt. Im Gespräch ist Medienberichten zufolge eine Lösung, bei der Tsvangirai Regierungschef werden würde und der 84-jährige Mugabe zwar Präsident bliebe, aber das Amt im wesentlichen auf repräsentative Aufgaben beschränkt wäre. Das Land steht nach 28 Jahren unter der autokratischen Herrschaft und Misswirtschaft Mugabes vor dem wirtschaftlichen Kollaps.

Tsvangirai hatte den ersten Durchgang der Präsidentschaftswahl Ende März für sich entschieden, aber die nötige absolute Mehrheit verfehlt. Außerdem siegte seine MDC-Partei bei den gleichzeitig abgehaltenen Parlamentswahlen.

Von der Präsidenten-Stichwahl Ende Juni zog sich Tsvangirai wegen zunehmender Gewalt gegen seine Anhänger zurück. Der seit 1980 amtierende Mugabe trat daraufhin als einziger Kandidat an und ließ sich erneut als Präsident vereidigen. Der Wahlgang wurde vom Westen als "Farce" kritisiert.

© sueddeutsche.de/AFP/Reuters/ssc/mati
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