bedeckt München
vgwortpixel

Vergifteter Ex-Agent:Sergej Skripal geht es deutlich besser

Russischer Ex-Spion vergiftet

Gillingham: Soldaten tragen Schutzanzüge während der Ermittlungen zur Vergiftung des Ex-Doppelagent Skripal und dessen Tochter.

(Foto: dpa)
  • Sergej Skripals Gesundheitszustand hat sich einen Monat nach dem Giftanschlag deutlich verbessert.
  • Der britische Botschafter in Berlin beschuldigt Russland, immer noch mit dem Nervengift Nowitschok zu experimentieren.
  • Die Belege, dass Russland hinter dem Anschlag auf den Ex-Agenten und seine Tochter Julia Skripal stecke, seien "klar genug", so der Botschafter.

Mehr als einen Monat nach dem Giftanschlag geht es dem ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal deutlich besser. Das berichteten seine Ärzte am Freitag in der südenglischen Kleinstadt Salisbury. Er sei nicht mehr in kritischem Zustand. "Er spricht gut auf die Behandlung an, seine Gesundheit verbessert sich schnell, und er ist nicht mehr in kritischem Zustand", teilten die Mediziner mit.

In Russland wird unterdessen nach Angaben des britischen Botschafters in Berlin, Sebastian Wood, entgegen der offiziellen Darstellung weiterhin mit dem Nervengift Nowitschok experimentiert. Wood deutete zudem an, Belege dafür zu haben, dass Russland für den Anschlag auf Sergej und Julia Skripal verantwortlich sei.

Wenn Russland sage, dass alle Kampfgifte aus Sowjetzeiten unter Aufsicht internationaler Beobachter vernichtet worden seien, so sei das aus britischer Sicht "falsch, völlig falsch", sagte Wood im Deutschlandfunk. "Unsere Nachrichtendienste wissen, dass es dieses Geheimprogramm zum Nowitschok-Giftstoff gibt, das die russische Regierung nie offengelegt hat." Der Diplomat forderte Russland auf, als ersten Schritt diese Offenlegung nun nachzuholen. Es gehe um einen Verstoß gegen die Chemiewaffen-Konvention. Die Belege, dass Russland hinter dem Anschlag auf den Ex-Agenten Skripal und seine Tochter stecke, seien "klar genug".

Russland hat die Vorwürfe zurückgewiesen und Beweise sowie eine Einbeziehung in die Ermittlungen gefordert. Hochrangige russische Amtsträger beschuldigten den Westen, einen neuen Kalten Krieg zu schüren.

Russland versuche, andere Länder zu destabilisieren

Der Botschafter Wood sagte nun, es sei bekannt, dass der russische Staat Menschen wie Skripal als Anschlagsziel betrachte. "Wir haben eine starke Einschätzung, dass es höchstwahrscheinlich ein Anschlag des russischen Staates war, und deshalb mussten wir alle gemeinsam reagieren." Es gebe genug Belege für Russlands Verantwortung im Fall Skripal, und die habe Großbritannien mit seinen Verbündeten geteilt, die diese überzeugend fänden.Abgesehen vom Einzelfall, gehe es um ein russisches Verhaltensmuster, mit dem das Land versuche, andere Länder zu destabilisieren.

Der 66-jährige ehemalige Doppelagent Skripal und seine 33-jährige Tochter waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank im englischen Salisbury gefunden worden. Der Polizei zufolge wurden sie direkt an ihrer Haustür vergiftet. Julia Skripals Zustand verbessert sich ebenfalls, sie hat sich bereits am Donnerstag zu Wort gemeldet.

Die britische Regierung beschuldigt Russland, die Skripals mit dem in der Sowjetunion entwickelten Nervengift Nowitschok vergiftet zu haben, was Moskau bestreitet. Britische Experten haben Medienberichten zufolge inzwischen das russische Labor identifiziert, aus dem das Nervengift für den Anschlag stammen soll.

Das Verhältnis zwischen Russland und dem Westen ist auf dem bislang tiefsten Stand seit dem Ende des Kalten Kriegs. Es hatte sich bereits verschlechtert, nachdem Russland 2014 die Halbinsel Krim annektiert hatte und Separatisten in der Ostukraine unterstützte. Das Attentat auf die Skripals hat die Beziehungen nun weiter belastet und zur Ausweisung von Hunderten russischen Diplomaten durch andere Länder geführt, auf die Moskau seinerseits mit der Ausweisung von Diplomaten reagiert hat.

Politik Großbritannien London und Moskau streiten im UN-Sicherheitsrat

Fall Skripal

London und Moskau streiten im UN-Sicherheitsrat

Großbritannien spiele mit dem Feuer und werde "das noch bereuen", poltert der russische Vertreter bei einem Treffen des Gremiums zu dem Giftanschlag. Die britische UN-Botschafterin prangert dafür ein "unverantwortliches" Verhalten Russlands an.