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Verfolgung von Minderheiten:Ausgeschlossen vom öffentlichen Leben

Wie verhalten sich die betroffenen Minderheiten?

Sie gehen sehr unterschiedlich mit ihrem Schicksal um. Um ihre Situation zu verbessern, versuchen sie, Aufmerksamkeit zu erregen, üben nationalen und internationalen Druck aus. Wenn sie keinen anderen Ausweg mehr sehen, gehen sie demonstrieren. Damit bringen sie sich allerdings in große Gefahr. Sie werden sichtbar und sind dadurch leichter zu attackieren. Manche greifen auch zu drastischeren Maßnahmen wie Selbstverbrennungen, beispielsweise in Tibet.

Wie funktioniert Unterdrückung jenseits der direkten Verfolgung?

In vielen Staaten werden Minderheiten vom öffentlichen Leben ausgeschlossen. Zum Beispiel wird Sinti und Roma in Osteuropa der Zugang zu Bildung, Kultur und medizinischer Versorgung verwehrt. Manche Regierungen entziehen ihnen auch gesetzlich die Legitimation. Das trifft zum Beispiel auf die Rohingya in Myanmar zu. Sie sind nicht als ethnische Minderheit im Vielvölkerstaat Myanmar anerkannt, sondern gelten offiziell als illegale Einwanderer aus Bangladesch. Ihnen wird in beiden Ländern die Staatsbürgerschaft verwehrt. Pakistan wiederum legitimiert die gewaltsame Verfolgung der Minderheit der Ahmadis im Gesetz. Sie gelten als Nicht-Muslime und ihnen ist die öffentliche Ausübung des Glaubens verboten.

Was passiert, wenn sich die Lage umkehrt und die Minderheiten an die Macht kommen?

Wann immer Macht mit ethnischer oder religiöser Zugehörigkeit zusammenhängt, entsteht eine sehr gefährliche Situation. Das äußert sich in einer solchen Situation besonders, denn um an der Macht zu bleiben, muss eine Minderheitsregierung größtenteils Menschenrechtsverletzungen begehen. Sie unterdrückt die Mehrheit, die sich bei einem Machtwechsel mit potenziell mehr Gewalt rächen wird - ein Teufelskreis, wie er sich besonders während des Genozids in Ruanda 1994 zeigte. Auch in Syrien regiert mit Baschar al-Assad ein Vertreter einer Minderheit, der Alawiten. Wenn er die Macht verliert, werden wieder Sunniten herrschen. Ähnlich die Lage in Kenia. Nach den vergangenen Wahlen 2007 geriet das Land an den Rand eines Bürgerkriegs, weil sich sowohl Oppositionsführer Raila Odinga von der Ethnie der Luo als auch Staatschef Mwai Kibaki der Kikuyu zum Wahlsieger erklärten. Der politische Streit entfachte blutige ethnische Unruhen.

Warum machen Politiker gerne Minderheiten für die Probleme im Land verantwortlich?

Für Politiker ist es einfach, Minderheiten als Sündenbock hinzustellen. Außerdem gehen Regierungen häufig dort gezielt gegen Minderheiten vor, wo viele natürliche Rohstoffe sind. Zum einen, um ihre Macht in der Region zu beweisen, vor allem aber, um Wirtschaftsinteressen durchzusetzen. Das zeigt sich zum Beispiel am Konflikt im Sudan, wo es vorrangig um Öl- und Rohstoffvorkommen geht.

Ist die Unterdrückung von Minderheiten als Machtwerkzeug des Menschen überhaupt wegzudenken?

In der gesamten Menschheitsgeschichte gibt und gab es Minderheiten, die unterdrückt wurden. Aber die Machtverhältnisse ändern sich. In den letzten 1000 Jahren haben sich in Europa Katholiken und Protestanten bekriegt, heute leben sie größtenteils friedlich zusammen. Sagen wir mal so: Es ist ein andauerndes Merkmal der menschlichen Natur, aber kein zwangsläufiges.

Wohin geht die aktuelle Entwicklung? Nimmt die Unterdrückung von Minderheiten eher zu oder ab?

Sowohl als auch, es kommt auf die Region an. In Westafrika hat sich die Situation für Minderheiten - vor allem in Sierra Leone und Liberia - stark verbessert. In anderen Regionen wie Somalia oder dem Nahen Osten hat sie sich deutlich verschlechtert. Wir halten die derzeitige Lage im Nahen Osten für die potenziell gefährlichste für religiöse Minderheiten seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor 20 Jahren.

© sz.de/esp/rus
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